Kurz gesagt: Räuberische Erpressung ist eine Erpressung, die mit Gewalt gegen eine Person oder mit Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben begangen wird. Der Täter wird gleich einem Räuber bestraft, also mit mindestens einem Jahr. Auch die Qualifikationen des schweren Raubes gelten.
Wer Werte bewacht, ist für Täter oft das Hindernis, das sie zuerst ausschalten müssen. Sie brauchen den Schlüssel, den Code, das offene Rolltor. Genau hier liegt die räuberische Erpressung: Der Täter nimmt nicht selbst, sondern zwingt dich mit Gewalt oder einer Waffe, ihm etwas zu geben oder etwas zu tun. Für die Prüfung musst du wissen, was §255 StGB zu §253 hinzufügt und wie man ihn vom Raub unterscheidet.
Was im Gesetz steht
§255 StGB ist kurz. Sinngemäß: Wird die Erpressung durch Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben begangen, ist der Täter gleich einem Räuber zu bestrafen.
Alles andere ergibt sich aus zwei Nachbarvorschriften. Aus der Erpressung kommen Nötigungserfolg, Vermögensnachteil und Bereicherungsabsicht. Aus dem Raub kommen die Nötigungsmittel und der Strafrahmen.
Was die Erpressung "räuberisch" macht
Bei der einfachen Erpressung reicht die Drohung mit irgendeinem empfindlichen Übel. Bei §255 müssen es dieselben scharfen Mittel sein wie beim Raub:
- Gewalt gegen eine Person: Der Täter schlägt, würgt, fesselt oder hält das Opfer fest. Gewalt gegen eine Sache reicht nicht.
- Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben: "Mach den Tresor auf oder ich stech dich ab." Die Drohung mit einem Schaden an Sachen oder mit der Veröffentlichung von Fotos reicht nicht. Das bleibt einfache Erpressung.
Ob die Waffe echt ist, spielt für die Drohung keine Rolle, wenn das Opfer sie für echt halten soll.
Die Strafe
"Gleich einem Räuber" heißt: Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr, in minder schweren Fällen sechs Monate bis fünf Jahre. Die räuberische Erpressung ist damit ein Verbrechen. Weil der Täter wie ein Räuber bestraft wird, gelten auch §250 und §251 StGB. Hat er eine Waffe dabei, sind es mindestens drei Jahre. Setzt er sie ein, etwa indem er dem Opfer das Messer an den Hals hält, sind es mindestens fünf Jahre.
Abgrenzung zum Raub
Raub und räuberische Erpressung liegen sehr nah beieinander. Wie man sie trennt, ist einer der bekanntesten Streitpunkte im Strafrecht.
Die Rechtsprechung
Der Bundesgerichtshof schaut auf das äußere Erscheinungsbild. Nimmt der Täter die Sache selbst, ist es Raub. Gibt das Opfer sie heraus, ist es räuberische Erpressung. Nach dieser Sicht ist der Raub ein Sonderfall der räuberischen Erpressung.
Die Literatur
Viele Strafrechtslehrer verlangen für die Erpressung eine Vermögensverfügung, also eine Handlung, bei der das Opfer noch eine Wahl hat. Hat es keine Wahl, weil der Täter ohnehin zugreifen könnte, soll Raub vorliegen.
Für die Prüfung genügt: Kenne den Streit, und merke dir die Linie der Rechtsprechung. Für die Strafe macht es wegen "gleich einem Räuber" kaum einen Unterschied.
Typische Konstellationen
- Ein Täter zwingt die Kassiererin mit vorgehaltener Pistole, das Geld in eine Tüte zu packen und herüberzureichen.
- Ein Täter erzwingt mit Schlägen die PIN einer Bankkarte und hebt danach Geld ab.
- Ein Täter zwingt die Nachtwache mit einem Messer, den Zugangscode einzugeben und das Rolltor zum Lager zu öffnen.
- Ein Gast schlägt nach der Rechtsprechung den Barkeeper nieder, um die Rechnung nicht bezahlen zu müssen. Der Vermögensnachteil liegt darin, dass die Forderung praktisch nicht mehr durchgesetzt werden kann.
Ein Fall aus dem Dienst
Du machst Nachtdienst in einem Logistiklager. Zwei maskierte Männer überraschen dich an der Pforte. Einer hält dir ein Messer vor und sagt: "Code für Halle 2, sofort." Du gibst den Code ein, das Tor öffnet sich, die Täter laden Elektronik in einen Transporter.
Du wurdest mit einer Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für dein Leben zu einer Handlung gezwungen. Der Vermögensnachteil trifft den Auftraggeber. Das ist eine räuberische Erpressung, wegen des eingesetzten Messers mit mindestens fünf Jahren Strafrahmen nach §250 Abs. 2. Du hast nichts falsch gemacht: Niemand muss sein Leben für Lagerware riskieren. Wichtig ist, was danach kommt. Sobald die Täter weg sind, Notruf und Leitstelle, Überfallmeldung auslösen, Tätermerkmale und Fahrzeug notieren, den Bereich nicht betreten und Spuren sichern lassen.
Typische Prüfungsfallen
- Drohung gegen Sachen oder mit Bloßstellung reicht nur für §253, nicht für §255.
- Gleich einem Räuber heißt: Verbrechen, mindestens ein Jahr, und §250 gilt.
- Nach der Rechtsprechung entscheidet das äußere Bild: Nehmen ist Raub, Geben ist räuberische Erpressung.
- Genötigter und Geschädigter können verschiedene Personen sein, etwa Wachperson und Auftraggeber.
- Auch das Abpressen eines Codes oder einer PIN kann eine räuberische Erpressung sein.
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Was unterscheidet die räuberische Erpressung von der einfachen Erpressung?
Wie wird die räuberische Erpressung bestraft?
Ein Täter zwingt eine Kassiererin mit einer Pistole, das Geld selbst in eine Tüte zu packen und ihm zu geben. Wie ordnet die Rechtsprechung das ein?
Ein Täter droht einer Wachperson: "Mach das Tor auf, sonst stelle ich die Fotos von dir ins Netz." Welches Delikt kommt in Betracht?
Ein Täter hält der Nachtwache ein Messer an den Hals und lässt sich den Code für das Lager geben. Was ist richtig?
Welche Vorschriften gelten wegen der Formulierung "gleich einem Räuber" auch für die räuberische Erpressung?
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