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Grundzüge der Sicherheitstechnik

Wertbehältnisse und Wertschutzräume

Vom Möbeltresor bis zum Tresorraum der Bank: wie Wertbehältnisse eingeteilt werden, was ein Widerstandsgrad bedeutet und welche Regeln im Umgang gelten.

Stand: 06.11.2026Von Oliver Misch

Kurz gesagt: Wertschutzschränke und Wertschutzräume werden nach DIN EN 1143-1 in Widerstandsgrade von 0 bis XIII eingeteilt. Darunter liegen einfache Sicherheitsschränke der Stufen S1 und S2 nach DIN EN 14450. Freistehende Schränke unter 1.000 Kilogramm müssen verankert werden. Feuerschutz ist eine eigene Eigenschaft und nicht automatisch dabei.

Tresore begegnen dir im Dienst an vielen Stellen: im Kassenbüro des Supermarkts, an der Tankstelle, im Juweliergeschäft, im Schlüsseltresor an der Pforte oder als Tresorraum in einer Bank. Im Geld- und Werttransport übernimmst du Werte direkt aus solchen Behältnissen. In der Prüfung geht es um die Einteilung nach Normen, um die Verankerung und um den sicheren Umgang.

Was ein Wertbehältnis ist

Wertbehältnisse sind Behältnisse und Räume, die Wertsachen gegen Einbruchdiebstahl schützen. Dazu gehören:

  • Freistehende Wertschutzschränke: Der klassische Tresor im Büro oder Laden.
  • Einmauer- und Bodenschränke: In Wand oder Boden eingelassen, nur die Tür ist sichtbar.
  • Geldautomatentresore: Der gepanzerte untere Teil eines Geldautomaten.
  • Wertschutzraumtüren und Wertschutzräume: Tresorräume mit gepanzerten Wänden, Decken, Böden und schwerer Tür, etwa für Schließfächer einer Bank.

Die Einteilung nach Normen

DIN EN 1143-1: Widerstandsgrade 0 bis XIII

Die wichtigste Norm ist DIN EN 1143-1. Sie gilt für Wertschutzschränke, Einmauerschränke, Geldautomatentresore, Wertschutzraumtüren und Wertschutzräume. Die Widerstandsgrade werden mit römischen Zahlen angegeben, von Grad 0 über I, II, III bis XIII. Je höher der Grad, desto mehr Widerstand.

Geprüft wird mit echten Angriffen: Handwerkzeug, Elektrowerkzeug, Schneidbrenner, Diamantbohrer. Für jedes Werkzeug und jede Minute werden Widerstandseinheiten, englisch Resistance Units, kurz RU, berechnet. Der Grad richtet sich danach, wie viele Einheiten der Prüfer braucht, um eine Öffnung zu schaffen. Behältnisse, die zusätzlich gegen Sprengstoff geprüft sind, tragen den Zusatz EX.

DIN EN 14450: Sicherheitsschränke S1 und S2

Unterhalb von Grad 0 liegen einfache Sicherheitsschränke nach DIN EN 14450 mit den Stufen S1 und S2. Sie bieten einen Grundschutz, etwa für Bargeld in kleinen Mengen oder Unterlagen. Ein billiger Möbeltresor ohne jede Prüfung ist dagegen nur ein Sichtschutz.

Schlösser

Wertschutzschränke haben Hochsicherheitsschlösser, mechanisch mit Schlüssel, mechanisch mit Zahlenkombination oder elektronisch mit Code. Hochsicherheitsschlösser werden nach DIN EN 1300 in Klassen eingeteilt. Viele Behältnisse haben zwei Schlösser. Dann müssen zwei Personen mit je einem Schlüssel oder Code anwesend sein, das sogenannte Vier-Augen-Prinzip.

Feuerschutz

Ein Wertschutzschrank ist nicht automatisch feuerfest. Feuerschutz ist eine eigene geprüfte Eigenschaft. Für Datenträger und Akten gibt es Datensicherungsschränke und Feuerschutzschränke nach eigenen Normen, zum Beispiel DIN EN 1047-1. Umgekehrt schützt ein reiner Feuerschutzschrank kaum vor Einbruch.

Verankerung

Ein Tresor, den man wegtragen kann, schützt nichts. Deshalb gilt: Freistehende Wertschutzschränke mit weniger als 1.000 Kilogramm Gewicht müssen fest mit dem Boden oder der Wand verankert werden, und zwar mit den dafür vorgesehenen Ankern nach Herstellerangabe. Einmauerschränke müssen fachgerecht eingemauert sein. Die Versicherer machen die Verankerung zur Bedingung. Ohne sie zahlen sie im Schadenfall unter Umständen nicht.

Versicherung und Alarmanlage

Wie viel Bargeld oder Schmuck in einem Tresor versichert ist, hängt vom Widerstandsgrad ab. Ist der Tresor zusätzlich an eine Einbruchmeldeanlage angeschlossen, erhöhen viele Versicherer die Summe. Typisch sind Körperschallmelder, die Bohr- und Schneidarbeiten am Tresor erkennen, und Öffnungs- oder Riegelkontakte an der Tür. So wird der Täter gemeldet, während er noch am Tresor arbeitet, und die Widerstandszeit wird zur Interventionszeit. Mehr unter Einbruchmeldeanlage.

Organisatorische Regeln

  • Schlüssel und Codes nie im selben Raum wie den Tresor aufbewahren und nicht beschriften.
  • Keine leicht zu erratenden Codes wie Geburtstage. Codes nach Personalwechsel ändern.
  • Zeitschlösser und Zeitverzögerungen nutzen. Ein Tresor, der sich erst nach zehn Minuten öffnen lässt, ist für Räuber uninteressant.
  • Tresor nach jeder Entnahme schließen, nicht nur zuziehen.
  • Hinweisschilder auf Zeitschlösser schrecken Täter ab.

Ein Fall aus dem Dienst

Bei der Schließkontrolle einer Tankstelle nach Ladenschluss siehst du im Büro, dass die Tresortür nur angelehnt ist. Der Schlüssel steckt, daneben liegt ein Zettel mit einer Zahlenfolge.

Du nimmst nichts heraus und zählst nichts. Du meldest den Zustand der Leitstelle, die den Betreiber informiert. Was weiter passiert, entscheidet der Betreiber nach deiner Dienstanweisung, etwa ob du den Tresor im Beisein eines Zeugen schließt oder ob jemand kommt. Den Zettel lässt du liegen, fotografierst ihn aber nicht. Im Wachbuch notierst du Uhrzeit und Zustand. Codes und Inhalte des Tresors gehen dich nichts an, und jedes Wissen darüber macht dich im Schadenfall verdächtig.

Typische Prüfungsfallen

  • DIN EN 1143-1 regelt Wertschutzschränke und Wertschutzräume mit Graden von 0 bis XIII.
  • S1 und S2 nach DIN EN 14450 liegen unter Grad 0.
  • Freistehende Schränke unter 1.000 Kilogramm müssen verankert sein.
  • Einbruchschutz und Feuerschutz sind zwei verschiedene Eigenschaften.
  • Ein höherer römischer Grad bedeutet mehr Widerstand, nicht weniger.

Teste dich: Übungsfragen zu diesem Thema

Wie in der IHK-Prüfung können eine oder zwei Antworten richtig sein. Kreuze an und prüfe dann.

Frage 1 von 6 · 1 richtige Antwort

Nach welcher Norm werden Wertschutzschränke und Wertschutzräume in Widerstandsgrade eingeteilt?

Frage 2 von 6 · 1 richtige Antwort

Was gilt für einen freistehenden Wertschutzschrank mit 400 Kilogramm Gewicht?

Frage 3 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche Aussagen zu den Widerstandsgraden nach DIN EN 1143-1 treffen zu?

Frage 4 von 6 · 1 richtige Antwort

Wo stehen die Sicherheitsstufen S1 und S2 im Verhältnis zu den Graden nach DIN EN 1143-1?

Frage 5 von 6 · 1 richtige Antwort

Warum wird ein Tresor oft mit Körperschallmeldern an die Einbruchmeldeanlage angeschlossen?

Frage 6 von 6 · 2 richtige Antworten

Bei der Schließkontrolle findest du eine angelehnte Tresortür mit steckendem Schlüssel. Was ist richtig?

Mehr Fragen aus diesem Sachgebiet gibt es in der Prüfungssimulation und gesammelt auf der Seite Prüfungsfragen Grundzüge der Sicherheitstechnik.

Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der aktuelle Gesetzestext.