Kurz gesagt: Schlösser unterscheiden sich stark in ihrem Schutz. Buntbartschlösser sichern fast nichts, Profilzylinder mit Bohr- und Ziehschutz deutlich mehr. Schließanlagen regeln, welcher Schlüssel welche Türen öffnet. Je höher ein Schlüssel in der Hierarchie steht, desto größer ist der Schaden, wenn er verloren geht.
Als Wachperson trägst du oft Schlüssel, die sehr viele Türen öffnen. Damit trägst du auch Verantwortung. Wer weiß, wie Schlösser und Schließanlagen aufgebaut sind, versteht, warum ein verlorener Generalschlüssel ein Notfall ist und warum man einen Schlüssel nicht einfach beim Schlüsseldienst nachmachen lässt. In der Prüfung geht es um Schlossarten, die Funktion des Zylinders und die Arten von Schließanlagen.
Schlossarten
Buntbartschloss
Das klassische Zimmertürschloss mit dem einfachen Bartschlüssel. Es gibt nur wenige Schlüsselformen, und fast jeder passende Schlüssel oder ein gebogener Draht öffnet es. Es hat keinerlei Einbruchschutz und gehört nur an Innentüren.
Zuhaltungsschloss
Im Schloss liegen mehrere bewegliche Plättchen, die Zuhaltungen. Nur der richtige Bart hebt alle auf die passende Höhe. Solche Schlösser findet man an älteren Haustüren, an Tresoren mit Doppelbartschlüssel und an Möbeln. Gute Zuhaltungsschlösser sind recht sicher, die Schlüssel aber groß.
Zylinderschloss
Der Standard an Außentüren. Im Einsteckschloss der Tür sitzt ein Schließzylinder, in Deutschland meist ein Profilzylinder mit dem typischen birnenförmigen Querschnitt. Daneben gibt es Rund- und Ovalzylinder.
So funktioniert ein Profilzylinder
Ein Zylinder besteht aus dem Gehäuse und dem drehbaren Kern. Durch beide gehen Bohrungen mit Stiftpaaren: Kernstift und Gehäusestift, von einer Feder gedrückt. Ohne Schlüssel ragen die Gehäusestifte in den Kern und blockieren ihn. Der richtige Schlüssel schiebt jedes Stiftpaar genau so weit, dass die Trennstelle auf der Linie zwischen Kern und Gehäuse liegt. Dann lässt sich der Kern drehen, und der Schließbart bewegt den Riegel.
Bauformen sind der Doppelzylinder mit Schlüssel auf beiden Seiten, der Halbzylinder etwa für Schlüsselschalter und der Knaufzylinder mit Drehknauf innen. Die Not- und Gefahrenfunktion erlaubt es, von außen aufzuschließen, auch wenn innen ein Schlüssel steckt. Das ist wichtig, wenn jemand innen gestürzt ist.
Woran du einen guten Zylinder erkennst
- Bohrschutz: Gehärtete Stifte oder Einsätze verhindern das Aufbohren. Kennzeichen BS.
- Ziehschutz: Verhindert das Herausziehen mit einem Spezialwerkzeug. Kennzeichen BZ steht für Bohr- und Ziehschutz.
- Klassifizierung: Nach DIN EN 1303 beziehungsweise DIN 18252 beschreibt die letzte Stelle des Klassifizierungsschlüssels den Angriffswiderstand. 0 heißt ungeeignet für den Einbruchschutz, A und B sind Klassen ohne Ziehschutz, C und D Klassen mit Ziehschutz. Die höhere Klasse ist jeweils B beziehungsweise D.
- Kopierschutz: Bei Sicherheitszylindern gibt es Nachschlüssel nur beim Hersteller oder Fachhändler gegen Vorlage einer Sicherungskarte. Oft ist das Schlüsselprofil zusätzlich durch ein Patent geschützt.
- Richtiger Einbau: Der Zylinder steht höchstens etwa 3 Millimeter über den Schutzbeschlag. Mehr dazu unter Türschutz.
Mechatronische Zylinder nach DIN EN 15684 verbinden eine mechanische Schließung mit elektronischer Berechtigung. Ein verlorener Schlüssel kann dort gesperrt werden, statt dass Zylinder getauscht werden müssen. Dafür entstehen Zutrittsprotokolle, die datenschutzrechtlich zu behandeln sind.
Arten von Schließanlagen
| Anlage | Prinzip | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Einzelschließung | Ein Zylinder, eigene Schlüssel. | Einzelne Tür, Gartenhaus |
| Gleichschließung | Mehrere Zylinder, alle mit demselben Schlüssel. | Haustür und Nebeneingang eines Hauses |
| Hauptschlüsselanlage | Jeder Einzelschlüssel öffnet seine Tür, der Hauptschlüssel alle. | Bürogebäude, Schule |
| Generalhauptschlüsselanlage | Mehrere Ebenen: Gruppenschlüssel für Bereiche, Hauptgruppenschlüssel für größere Bereiche, Generalhauptschlüssel für alles. | Krankenhaus, Werk, Universität |
| Zentralschlossanlage | Jeder Einzelschlüssel öffnet seine Tür und zusätzlich gemeinsame Zentraltüren. | Mehrfamilienhaus: Wohnung plus Haustür, Keller, Müllraum |
Hauptschlüssel und Zentralschlossanlage werden oft verwechselt. Merke: Beim Hauptschlüssel öffnet ein Schlüssel viele Türen. Bei der Zentralschlossanlage öffnen viele Schlüssel eine gemeinsame Tür.
Ein Fall aus dem Dienst
Du arbeitest im Revierdienst und hast für ein Schulzentrum einen Generalhauptschlüssel am Schlüsselbund. Nach der letzten Kontrolle stellst du im Fahrzeug fest, dass der Bund fehlt. Vermutlich ist er beim Aussteigen auf dem Parkplatz liegen geblieben.
Du suchst sofort die Strecke ab. Findest du ihn nicht, meldest du den Verlust ohne Verzögerung der Einsatzleitung. Die informiert den Kunden, der entscheidet über Maßnahmen wie zusätzliche Bestreifung oder den Austausch von Zylindern. Ein verlorener Generalhauptschlüssel kann bedeuten, dass die gesamte Anlage umgebaut werden muss. Verschweigen wäre das Schlimmste: Bis der Verlust bekannt wird, steht jemandem mit dem Schlüssel jede Tür offen. Wie Schlüssel ausgegeben und dokumentiert werden, steht auf der Seite Schlüsselverwaltung.
Typische Prüfungsfallen
- Ein Buntbartschloss hat keinen Einbruchschutz.
- Hauptschlüsselanlage: ein Schlüssel für viele Türen. Zentralschlossanlage: viele Schlüssel für eine gemeinsame Tür.
- BS heißt Bohrschutz, BZ Bohr- und Ziehschutz.
- Die Not- und Gefahrenfunktion erlaubt das Aufschließen trotz innen steckendem Schlüssel.
- Einen Schlüsselverlust meldest du sofort. Je höher der Schlüssel in der Hierarchie, desto größer der Schaden.
Teste dich: Übungsfragen zu diesem Thema
Wie in der IHK-Prüfung können eine oder zwei Antworten richtig sein. Kreuze an und prüfe dann.
In einem Mehrfamilienhaus öffnet jeder Wohnungsschlüssel die eigene Wohnung sowie Haustür und Keller. Wie heißt diese Anlage?
Was bedeutet die Kennzeichnung BZ an einem Profilzylinder?
Welche Aussagen zum Profilzylinder treffen zu?
Du stellst fest, dass du den Generalhauptschlüssel eines Objekts verloren hast. Was ist richtig?
Was gilt für die Klassen des Angriffswiderstands bei Schließzylindern nach DIN EN 1303 beziehungsweise DIN 18252?
Wozu dient die Sicherungskarte bei einer Sicherheitsschließanlage?
Mehr Fragen aus diesem Sachgebiet gibt es in der Prüfungssimulation und gesammelt auf der Seite Prüfungsfragen Grundzüge der Sicherheitstechnik.
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