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Grundzüge der Sicherheitstechnik

Sicherheitsglas: ESG, VSG, Panzerglas

ESG zerkrümelt, VSG hält zusammen, Panzerglas gibt es als Normbegriff nicht. Was die Glasarten können und was hinter P4A oder P6B steckt.

Stand: 06.11.2026Von Oliver Misch

Kurz gesagt: Einscheibensicherheitsglas (ESG) schützt vor Verletzungen, aber nicht vor Einbruch. Verbundsicherheitsglas (VSG) hält durch Folien zusammen und kann je nach Aufbau einbruchhemmend sein. DIN EN 356 teilt angriffhemmendes Glas in durchwurfhemmend P1A bis P5A und durchbruchhemmend P6B bis P8B ein. Beschuss regelt DIN EN 1063, Sprengwirkung DIN EN 13541.

Glas ist an vielen Objekten die größte Fläche der Außenhaut: Schaufenster, Glastüren, Fassaden, Kassenboxen, Pfortenverglasungen. Ob eine Scheibe einen Täter Sekunden oder Minuten aufhält, sieht man ihr nicht an. In der Prüfung wird gefragt, welche Glasart was kann und was die Klassen bedeuten. Im Dienst hilft dir das Wissen, eine beschädigte Scheibe richtig einzuschätzen.

Normalglas

Normales Fensterglas, Floatglas genannt, bricht in große, scharfkantige Stücke. Es schützt weder vor Verletzungen noch vor Einbruch. Auch Isolierglas aus zwei oder drei normalen Scheiben ist kein Sicherheitsglas, nur weil es dicker ist.

Einscheibensicherheitsglas (ESG)

ESG ist thermisch vorgespannt: Die Scheibe wird stark erhitzt und dann schnell abgekühlt. Dadurch ist sie deutlich bruchfester und verträgt Temperaturschwankungen besser. Geregelt ist ESG in DIN EN 12150. Wird ESG doch zerstört, zerfällt die ganze Scheibe in viele kleine, stumpfe Krümel. Das schützt vor Schnittverletzungen, deshalb findet man ESG in Duschen, Ganzglastüren und Glasmöbeln.

Für die Sicherheitstechnik ist das ein Nachteil. Nach dem Bruch ist die Öffnung komplett frei. ESG ist also Verletzungsschutz, kein Einbruchschutz. Dieser Unterschied ist eine der beliebtesten Prüfungsfragen.

Verbundsicherheitsglas (VSG)

VSG besteht aus mindestens zwei Glasscheiben, die mit einer reißfesten, zähen Folie verbunden sind, meist aus Polyvinylbutyral, kurz PVB. Geregelt ist es in DIN EN ISO 12543. Bricht VSG, haften die Splitter an der Folie, und die Scheibe bleibt im Rahmen. Es bildet sich das typische Spinnennetzmuster, aber kein Loch.

Mit mehr Scheiben und dickeren Folien wird VSG einbruchhemmend. Die Einbruchhemmung ist dann nach DIN EN 356 geprüft. VSG dient außerdem als Absturzsicherung, etwa bei Geländern und bodentiefen Verglasungen.

Angriffhemmende Verglasung nach DIN EN 356

Die Norm unterscheidet zwei Gruppen. Der Buchstabe am Ende sagt, wie geprüft wurde.

Durchwurfhemmend: P1A bis P5A

Geprüft wird mit einer Stahlkugel von 4,11 Kilogramm, die aus festgelegter Höhe auf die Scheibe fällt. Das simuliert einen geworfenen Pflasterstein. Die Kugel darf nicht durchschlagen.

KlasseFallhöheAnzahl der Kugelfälle
P1A1,5 m3
P2A3 m3
P3A6 m3
P4A9 m3
P5A9 m9, dreimal drei auf einen Punkt

Durchbruchhemmend: P6B bis P8B

Hier schlägt eine Prüfmaschine mit Hammer und Axt auf die Scheibe, bis eine Öffnung von 40 mal 40 Zentimetern entsteht. Gezählt werden die Schläge: P6B hält 30 bis 50 Schläge, P7B 51 bis 70 und P8B mehr als 70. Solches Glas findet man in Juwelierschaufenstern, Bankschaltern und Pforten.

Zu einbruchhemmenden Fenstern und Türen nach DIN EN 1627 gehören feste Glasklassen: P4A bei RC 2, P5A bei RC 3, P6B bei RC 4, P7B bei RC 5 und P8B bei RC 6. Siehe Widerstandsklassen.

Panzerglas, Beschuss und Sprengung

Panzerglas ist ein Alltagswort, kein Normbegriff. Gemeint ist meist dickes Verbundglas mit vielen Schichten, oft auch Polycarbonat. Fachlich sauber ist es, die geprüfte Eigenschaft zu nennen:

  • Durchschusshemmend nach DIN EN 1063: Klassen BR1 bis BR7 für Faustfeuerwaffen und Gewehre, SG1 und SG2 für Flinten. Der Zusatz NS bedeutet splitterfrei, auf der geschützten Seite lösen sich keine Splitter. S bedeutet, dass Splitter abgehen.
  • Sprengwirkungshemmend nach DIN EN 13541: Klassen ER1 bis ER4, geprüft mit einer Druckwelle.

Eine Scheibe kann mehrere Eigenschaften zugleich haben, etwa durchschusshemmend und durchbruchhemmend. Das eine folgt aber nicht aus dem anderen.

Woran man Sicherheitsglas erkennt

Geprüftes Glas trägt meist in einer Ecke einen dauerhaften Stempel mit Norm und Klasse, zum Beispiel DIN EN 356 P4A. Bei Isolierglas steht die Angabe oft nur auf einer Scheibe. Fehlt jede Kennzeichnung, kannst du nicht davon ausgehen, dass es sich um Sicherheitsglas handelt.

Ein Fall aus dem Dienst

Bei der Revierfahrt um 3 Uhr siehst du am Schaufenster eines Juweliers ein großes Spinnennetz im Glas mit mehreren Einschlagstellen. Ein Loch gibt es nicht, die Auslage ist vollständig. Das VSG hat gehalten.

Du fasst die Scheibe nicht an, informierst die Leitstelle und je nach Anweisung die Polizei. Du schaust dich um, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen. Bis die Polizei und der Kunde da sind, bleibst du in der Nähe und beobachtest. Die beschädigte Scheibe hat einen Großteil ihres Widerstands verloren. Bis eine Notverglasung eingesetzt ist, braucht das Objekt zusätzlichen Schutz, etwa eine Bewachung vor Ort. Im Wachbuch hältst du Uhrzeit, Zustand und alle Beobachtungen fest.

Typische Prüfungsfallen

  • ESG zerkrümelt vollständig und bietet keinen Einbruchschutz.
  • VSG hält durch die Folie zusammen und bleibt im Rahmen.
  • A steht für Durchwurf mit der Kugel, B für Durchbruch mit Hammer und Axt.
  • Panzerglas ist kein Normbegriff. Beschuss regelt DIN EN 1063, nicht DIN EN 356.
  • Eine beschädigte VSG-Scheibe ist geschwächt und muss gesichert werden, auch wenn kein Loch entstanden ist.

Teste dich: Übungsfragen zu diesem Thema

Wie in der IHK-Prüfung können eine oder zwei Antworten richtig sein. Kreuze an und prüfe dann.

Frage 1 von 6 · 1 richtige Antwort

Warum bietet Einscheibensicherheitsglas (ESG) keinen Einbruchschutz?

Frage 2 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche Eigenschaften hat Verbundsicherheitsglas (VSG)?

Frage 3 von 6 · 1 richtige Antwort

Wie wird eine Verglasung der Klassen P1A bis P5A nach DIN EN 356 geprüft?

Frage 4 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche Aussagen zu den Klassen nach DIN EN 356 treffen zu?

Frage 5 von 6 · 1 richtige Antwort

Ein Kunde sagt, seine Pfortenverglasung sei aus Panzerglas. Was ist fachlich richtig?

Frage 6 von 6 · 1 richtige Antwort

Du findest nachts eine Schaufensterscheibe aus VSG mit Spinnennetzbruch, aber ohne Loch. Was ist richtig?

Mehr Fragen aus diesem Sachgebiet gibt es in der Prüfungssimulation und gesammelt auf der Seite Prüfungsfragen Grundzüge der Sicherheitstechnik.

Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der aktuelle Gesetzestext.