Kurz gesagt: Die meisten Fenster werden nicht eingeschlagen, sondern mit einem Schraubendreher aufgehebelt. Schutz bieten Pilzkopfzapfen in Sicherheitsschließstücken, ein abschließbarer Griff, geprüftes Glas und eine feste Montage, am besten als geprüftes Fenster der Klasse RC 2 oder höher. Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster.
Bei Einbrüchen in Wohnungen, Praxen und kleine Büros sind Fenster und Fenstertüren im Erdgeschoss ein bevorzugter Weg. Sie sind von außen gut erreichbar, oft durch Hecken oder Terrassen vor Blicken geschützt und vielfach nur mit einfachen Beschlägen ausgestattet. Beim Kontrollgang sind Fenster deshalb ein fester Prüfpunkt. In der Prüfung wird gefragt, wie Täter vorgehen und welche Bauteile ein Fenster sicher machen.
Aufbau eines Fensters
- Rahmen: Fest in der Wand befestigt, aus Holz, Kunststoff oder Aluminium.
- Flügel: Der bewegliche Teil, der das Glas trägt.
- Beschlag: Die Mechanik im Falz, also im verdeckten Spalt zwischen Flügel und Rahmen. Beim Drehen des Griffs fahren Verriegelungszapfen am Flügel in Schließstücke am Rahmen. Beim Dreh-Kipp-Fenster steuert der Beschlag auch die Kippstellung.
- Griff: Bewegt den Beschlag.
- Verglasung: Meist Isolierglas aus zwei oder drei Scheiben, gehalten von Glasleisten.
Wie Täter Fenster öffnen
Aufhebeln
Die häufigste Methode. Der Täter setzt einen Schraubendreher zwischen Flügel und Rahmen an und drückt den Flügel weg, bis die Zapfen aus den Schließstücken rutschen. Bei einfachen Beschlägen mit runden Rollzapfen gelingt das oft in Sekunden und fast geräuschlos.
Glas einschlagen oder durchbohren
Der Täter schlägt eine kleine Öffnung neben dem Griff oder bohrt ein Loch durch den Rahmen, greift durch und dreht den Griff. Das ist lauter oder aufwendiger und kommt seltener vor.
Gekippte Fenster
Ein gekipptes Fenster lässt sich mit einfachen Mitteln aushebeln oder durchgreifen. Es gilt sicherungstechnisch als offen, bei vielen Versicherern auch versicherungsrechtlich. Wer ein gekipptes Fenster verlässt, riskiert Ärger mit der Versicherung.
Weitere Schwachstellen
Kellerfenster und Lichtschächte, deren Gitterroste sich einfach abheben lassen. Oberlichter und Dachfenster, die von Garagen oder Vordächern aus erreichbar sind. Glasleisten auf der Außenseite, die sich abziehen lassen, sodass die ganze Scheibe herausgenommen werden kann.
Was ein Fenster sicher macht
Beschlag
Wirksam gegen Aufhebeln sind Pilzkopfzapfen. Ihr Kopf ist breiter als der Schaft und hakt sich hinter stählerne Sicherheitsschließstücke. Der Flügel kann dann nicht mehr vom Rahmen weggedrückt werden. Je mehr solcher Verriegelungspunkte rundum verteilt sind, desto besser.
Griff
Ein abschließbarer Griff verhindert, dass ein Täter nach einem Glasdurchbruch einfach den Griff dreht. Gegen Aufhebeln hilft er allein nicht.
Glas
Normales Isolierglas bietet kaum Schutz. Ein einbruchhemmendes Fenster braucht eine geprüfte Verglasung, bei RC 2 die Klasse P4A nach DIN EN 356. Details auf der Seite Sicherheitsglas.
Montage
Der Rahmen muss fest mit der Wand verschraubt sein, sonst drückt der Täter das ganze Fenster heraus. Glasleisten gehören auf die Innenseite.
Geprüftes Fenster
Am sichersten ist ein Fenster, das als Ganzes nach DIN EN 1627 geprüft ist. Dieselben Klassen wie bei Türen gelten auch hier, von RC 1 N bis RC 6. Für erreichbare Fenster im Wohnbereich empfehlen die polizeilichen Beratungsstellen in der Regel mindestens RC 2. Die Bedeutung der Klassen steht auf der Seite Widerstandsklassen. Wer ein vorhandenes Fenster verbessern will, findet die Möglichkeiten unter zusätzliche Fenstersicherung.
Elektronik und Organisation
Ein Öffnungsmelder meldet, wenn das Fenster aufgeht, ein Verschlussmelder, ob der Griff in Schließstellung steht. Glasbruchmelder reagieren auf das Zerbrechen der Scheibe. Bei einer Einbruchmeldeanlage mit Verschlussüberwachung lässt sich die Anlage nicht scharf schalten, solange ein Fenster gekippt ist. Das ist gewollt. Organisatorisch zählt vor allem die Regel: Fenster schließen, nicht kippen, wenn der Raum verlassen wird.
Ein Fall aus dem Dienst
Du kontrollierst abends eine Arztpraxis im Erdgeschoss. Laut Dienstanweisung prüfst du alle Fenster. Im Behandlungsraum steht ein Fenster auf Kipp, die Einbruchmeldeanlage zeigt deshalb an, dass sie nicht scharf geschaltet werden kann.
Du schließt das Fenster, prüfst, ob der Griff in Schließstellung steht, und schaltest erneut scharf. Im Wachbuch vermerkst du Raum, Uhrzeit und Zustand. Findest du dagegen an einem Fenster frische Hebelspuren oder einen verbogenen Flügel, fasst du nichts an und informierst die Leitstelle. Wiederholt sich das gekippte Fenster jede Woche, geht ein Hinweis an den Kunden. Das Praxisteam braucht dann eine klare Abschlussregel.
Typische Prüfungsfallen
- Fenster werden meist aufgehebelt, nicht eingeschlagen.
- Pilzkopfzapfen mit Sicherheitsschließstücken schützen gegen Aufhebeln, ein abschließbarer Griff schützt gegen Durchgreifen.
- Ein gekipptes Fenster ist sicherungstechnisch ein offenes Fenster.
- DIN EN 1627 gilt für Fenster genauso wie für Türen.
- Glasleisten außen sind eine Schwachstelle, weil die Scheibe herausgenommen werden kann.
Teste dich: Übungsfragen zu diesem Thema
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Wie werden Fenster bei Einbrüchen am häufigsten geöffnet?
Welche Bauteile schützen ein Fenster wirksam gegen Aufhebeln?
Beim Kontrollgang findest du ein Fenster in Kippstellung. Wie ist das sicherungstechnisch zu bewerten?
Wozu dient ein abschließbarer Fenstergriff vor allem?
Welche Aussagen zu einbruchhemmenden Fenstern nach DIN EN 1627 treffen zu?
Eine Einbruchmeldeanlage mit Verschlussüberwachung lässt sich nicht scharf schalten, weil ein Fenster gekippt ist. Was steckt dahinter?
Mehr Fragen aus diesem Sachgebiet gibt es in der Prüfungssimulation und gesammelt auf der Seite Prüfungsfragen Grundzüge der Sicherheitstechnik.
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