Kurz gesagt: Eine Einfriedung markiert die Grundstücksgrenze, lenkt den Zugang auf kontrollierte Stellen und verzögert Täter. Sie hält einen entschlossenen Täter nur kurz auf und wirkt deshalb nur zusammen mit Detektion und Kontrolle.
Die Einfriedung ist die äußerste Schale eines Objekts. Sie ist das Erste, was ein Täter sieht, und das Erste, was du beim Rundgang auf einem Werksgelände, einer Baustelle oder einem Lagerplatz kontrollierst. In der Prüfung geht es um die Aufgaben einer Einfriedung, die gängigen Bauarten und die Frage, warum ein Zaun allein kein Objekt schützt.
Was eine Einfriedung leisten soll
- Grenze zeigen: Jeder sieht, wo das Grundstück beginnt. Das hat rechtliche Folgen. Ein erkennbar abgegrenztes Grundstück ist ein befriedetes Besitztum im Sinne des Hausfriedensbruchs. Wer über den Zaun steigt, kann sich nicht darauf berufen, er habe die Grenze nicht bemerkt.
- Zugang lenken: Menschen und Fahrzeuge sollen das Gelände nur an bestimmten Stellen betreten, an Toren und Pforten, wo kontrolliert wird.
- Abschrecken: Ein ordentlicher, hoher Zaun signalisiert, dass hier jemand aufpasst.
- Verzögern: Der Täter braucht Zeit zum Übersteigen oder Durchtrennen, und er muss seine Beute auch wieder hinausschaffen.
Was eine Einfriedung nicht leistet: Sie meldet nichts. Ein normaler Zaun ist in Sekunden überstiegen. Deshalb wird sie bei höherem Schutzbedarf mit Detektion, Beleuchtung und Videotechnik kombiniert. Das ist das Thema der Seite Einfriedungen mit besonderem Schutz.
Die Bauarten
Zäune
- Maschendraht oder Viereckgeflecht: Billig und weit verbreitet. Er grenzt ab, schützt aber kaum. Mit einer Zange ist er schnell aufgeschnitten, und die Maschen bieten Halt für Füße.
- Doppelstabmattenzaun: Geschweißte Gittermatten aus waagerechten Doppelstäben und senkrechten Einzelstäben. Bezeichnungen wie 6/5/6 oder 8/6/8 geben die Drahtstärken in Millimetern an. Die dickere Ausführung ist deutlich widerstandsfähiger.
- Stabgitter- und Palisadenzäune: Senkrechte Stäbe oder Profile mit spitzem oder gebogenem Abschluss. Sie bieten wenig Halt zum Klettern.
- Stacheldraht-Weidezaun: Dient der Tierhaltung und ist kein Sicherheitszaun.
Als Faustwert für eine sicherungstechnisch sinnvolle Einfriedung gelten mindestens 2 Meter Höhe. Ein Zaun mit Durchsicht hat einen Vorteil: Die Streife sieht hindurch, und der Täter auf dem Gelände wird gesehen.
Mauern
Mauern sind schwer zu durchbrechen und bieten Sichtschutz. Genau das ist aber auch ihre Schwäche: Wer drüber ist, arbeitet unbeobachtet. Eine Mauer braucht deshalb oft eine Überwachung der Innenseite. Außerdem bieten Fugen, Vorsprünge und Mauerkronen ohne Abdeckung Kletterhilfen.
Lebende Einfriedungen und Geländeformen
Hecken, Gräben und Erdwälle grenzen ab und verzögern ein wenig. Dichte, dornige Hecken sind unangenehm zu durchqueren, verdecken aber auch die Sicht. Als alleinige Sicherung reichen sie in keinem gefährdeten Objekt.
Tore
Tore sind die geplanten Öffnungen in der Einfriedung: Drehflügeltore, Schiebetore, Falttore. Ein Tor muss mindestens so widerstandsfähig sein wie der Zaun daneben, sonst wird es zur Schwachstelle. Zu achten ist auf Bodenspalte, durch die man durchkriechen kann, auf Querstreben, die als Leiter dienen, und auf Tore, die sich aushebeln oder aus der Führung heben lassen. Mehr dazu auf der Seite Durchlässe.
Typische Schwachstellen
- Zu geringe Höhe oder Querstreben auf der Außenseite.
- Kletterhilfen am Zaun: Container, gestapelte Paletten, Mülltonnen, Bäume mit überhängenden Ästen.
- Lücken am Boden durch Senken, ausgespülte Erde oder Tiergänge.
- Befestigungen, die von außen lösbar sind, etwa normale Schrauben statt Abrissmuttern.
- Bewuchs, der die Sicht nimmt und den Täter verdeckt.
- Übergänge zu Gebäuden, Nachbarzäunen oder Gewässern, an denen die Einfriedung endet.
Ein Fall aus dem Dienst
Bei der Nachtkontrolle eines Baustoffhandels gehst du die Zaunlinie ab. An der Rückseite hat ein Mitarbeiter am Nachmittag Paletten mit Pflastersteinen direkt am Zaun abgestellt, über zwei Meter hoch. Wenige Meter weiter hat der Regen eine Mulde unter einer Zaunmatte ausgewaschen.
Du kannst die Paletten nicht allein versetzen. Du meldest beides an die Einsatzleitung und den Ansprechpartner des Kunden, machst Fotos, sofern die Dienstanweisung das vorsieht, und trägst die Stellen ins Wachbuch ein. In dieser Nacht kontrollierst du den Bereich häufiger. Am nächsten Tag ist es Sache des Kunden, die Paletten wegzuräumen und die Mulde aufzufüllen. Dein Hinweis hilft ihm, eine Regel für den Lagerbereich aufzustellen, zum Beispiel einen freizuhaltenden Streifen entlang des Zauns.
Typische Prüfungsfallen
- Eine Einfriedung verzögert, sie verhindert nicht. Ein normaler Zaun hält nur Sekunden.
- Eine Mauer schützt den Täter vor Blicken. Ein Zaun mit Durchsicht kann sicherungstechnisch besser sein.
- Ein Tor darf nicht schwächer sein als der Zaun.
- Stacheldraht auf einem Weidezaun macht ihn nicht zum Sicherheitszaun.
- Kletterhilfen und Bodenlücken sind Mängel, die du meldest. Beseitigen muss sie der Kunde.
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