Start / Sachgebiete / Grundzüge der Sicherheitstechnik / Durchlässe

Grundzüge der Sicherheitstechnik

Durchlässe

Jede Einfriedung hat Lücken, gewollte und ungewollte. Wie Tore, Pforten, Notausgänge, Kanäle und Bachläufe gesichert und kontrolliert werden.

Stand: 06.11.2026Von Oliver Misch

Kurz gesagt: Durchlässe sind alle Stellen, an denen eine Einfriedung oder Außenhaut unterbrochen ist. Gewollte Durchlässe wie Tore und Pforten werden mechanisch gesichert und organisatorisch kontrolliert. Ungewollte Durchlässe wie Rohre, Gräben oder Kabelkanäle werden verschlossen, weil Täter sie gezielt suchen.

Ein Zaun ist nur so gut wie seine Lücken. Täter suchen nicht die stärkste Stelle, sondern die bequemste: das offen stehende Tor, die Pforte ohne Kontrolle, den Bachlauf unter dem Zaun. Diese Stellen heißen Durchlässe. Für dich als Wachperson sind sie doppelt wichtig, denn an vielen Durchlässen arbeitest du selbst, etwa an der Pforte oder am Werkstor.

Gewollte und ungewollte Durchlässe

Man unterscheidet zwei Gruppen:

  • Gewollte Durchlässe sind für Menschen und Fahrzeuge geplant: Haupttor, Nebentor, Pforte, Personaleingang, Warenannahme, Notausgang im Zaun, Feuerwehrzufahrt.
  • Ungewollte Durchlässe entstehen durch Technik und Gelände: Bachläufe und Entwässerungsgräben, Abwasser- und Regenrohre, Kabel- und Versorgungskanäle, Lüftungsschächte, Gleisanschlüsse, Lichtschächte am Gebäude.

Die Grundregel für beide: Ein Durchlass muss mindestens so gut gesichert sein wie die Einfriedung oder Wand, in der er liegt. Sonst wird er zum bevorzugten Weg des Täters.

Gewollte Durchlässe sichern

Mechanisch

Tore und Pforten brauchen stabile Flügel, Verriegelungen, die sich nicht aushebeln lassen, und einen Übersteigschutz, der zum Zaun passt. Schiebetore müssen gegen Ausheben aus der Führung gesichert sein. Drehflügeltore brauchen Bodenriegel, damit sich die Flügel nicht auseinanderdrücken lassen. Der Spalt unter dem Tor darf nicht so groß sein, dass jemand durchkriechen kann.

Kraftbetätigte Tore, also Tore mit Motor, müssen außerdem für die Nutzer sicher sein. Die Norm DIN EN 12453 regelt das. Lichtschranken und Schließkantensicherungen verhindern, dass Menschen oder Fahrzeuge eingeklemmt werden. Wer ein Tor von der Pforte aus fernbedient, muss den Torbereich einsehen können.

Elektronisch

Öffnungsmelder an Toren und Pforten melden außerhalb der Betriebszeiten jedes Öffnen. Tagsüber kommen Kartenleser, Kennzeichenerkennung, Gegensprechanlagen und Kameras dazu. Für Personen gibt es Drehsperren und Vereinzelungsanlagen, die genau eine Person pro Berechtigung durchlassen. Mehr dazu auf der Seite Personenvereinzelungsanlagen.

Organisatorisch

Ein Tor, das tagsüber offen steht, schützt nur so gut wie die Kontrolle daran. Dazu gehören feste Öffnungszeiten, eine Besucheranmeldung, Ausweis- und Fahrzeugkontrollen nach Dienstanweisung und klare Regeln, wer Tore öffnen darf. Eine bekannte Lücke ist das Mitlaufen oder Mitfahren: Eine unberechtigte Person folgt dicht einem Berechtigten durch das offene Tor. Im Englischen heißt das Tailgating.

Notausgänge im Zaun

Auch Einfriedungen haben manchmal Notausgänge, etwa an Veranstaltungsflächen oder Industriegeländen. Sie müssen von innen jederzeit ohne Schlüssel zu öffnen sein. Von außen haben sie meist keinen Griff, damit niemand unkontrolliert hereinkommt. Ein Öffnungsmelder zeigt an, wenn jemand sie benutzt. Abschließen oder zustellen darfst du sie nie. Mehr dazu unter Flucht- und Rettungswege.

Ungewollte Durchlässe sichern

Täter kriechen erstaunlich kleine Öffnungen durch. In den Prüfnormen für einbruchhemmende Bauteile gilt ein Bauteil schon als überwunden, wenn eine Öffnung entsteht, durch die etwa ein Rechteck von 400 mal 250 Millimetern oder ein Kreis von 350 Millimetern Durchmesser passt. Rohre und Kanäle dieser Größe sind also ein echtes Risiko.

Gesichert werden ungewollte Durchlässe mit fest verschweißten oder verschraubten Gittern, deren Stäbe eng stehen, mit Gitterrosten, die gegen Abheben gesichert sind, und mit verschlossenen Revisionsöffnungen. Bei Bachläufen muss das Gitter Wasser und Treibgut durchlassen, sonst staut es sich. Deshalb müssen solche Gitter nach Hochwasser und Unwetter kontrolliert werden. Ein Melder am Gitter oder eine Kamera auf den Durchlass schließt die Lücke in der Elektronik.

Ein Fall aus dem Dienst

Du arbeitest im Werkschutz an Tor 2 eines Automobilzulieferers. Ein Lkw fährt nach Kontrolle der Frachtpapiere auf das Gelände. Dicht dahinter rollt ein Kleinwagen mit durch, bevor das Schiebetor schließt. Der Fahrer ist dir unbekannt.

Du sprichst den Fahrer an, sobald er anhält, oder informierst sofort die Streife auf dem Gelände und gibst Kennzeichen, Fahrzeugtyp und Fahrtrichtung durch. Er hat keine Berechtigung? Dann fordert ihn die Streife auf, das Gelände zu verlassen. Du stützt dich dabei auf das übertragene Hausrecht. Im Wachbuch hältst du den Vorfall fest. Am nächsten Tag schlägt die Einsatzleitung vor, die Tordurchfahrt so zu ändern, dass hinter jedem Fahrzeug erst geschlossen wird. Das ist eine organisatorische Lösung für eine technische Lücke.

Am Ende der Schicht gehst du noch die Zaunlinie ab. Nach dem Starkregen ist am Bachdurchlass das Gitter mit Ästen zugesetzt und an einer Seite aus der Verankerung gedrückt. Auch das meldest du sofort, denn ein loses Gitter ist ein offener Durchlass.

Typische Prüfungsfallen

  • Durchlässe sind nicht nur Tore. Auch Rohre, Gräben, Kanäle und Schächte zählen dazu.
  • Ein Durchlass darf nicht schwächer gesichert sein als die Einfriedung.
  • Ein offenes Tor ist nur durch Kontrolle gesichert. Mitlaufen und Mitfahren ist die typische Lücke.
  • Notausgänge im Zaun müssen von innen ohne Hilfsmittel zu öffnen sein und dürfen nie verschlossen werden.
  • Kraftbetätigte Tore brauchen Schutz gegen Einklemmen. Wer sie bedient, muss den Torbereich sehen.

Teste dich: Übungsfragen zu diesem Thema

Wie in der IHK-Prüfung können eine oder zwei Antworten richtig sein. Kreuze an und prüfe dann.

Frage 1 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche dieser Stellen sind ungewollte Durchlässe in einer Einfriedung?

Frage 2 von 6 · 1 richtige Antwort

Was ist mit Mitlaufen oder Mitfahren an einem Tor gemeint?

Frage 3 von 6 · 1 richtige Antwort

Was gilt für einen Notausgang in der Einfriedung eines Veranstaltungsgeländes?

Frage 4 von 6 · 1 richtige Antwort

Warum müssen Gitter an Bachdurchlässen nach einem Unwetter kontrolliert werden?

Frage 5 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche Anforderungen gelten für ein kraftbetätigtes Schiebetor an der Werkszufahrt?

Frage 6 von 6 · 1 richtige Antwort

Welche Grundregel gilt für jeden Durchlass?

Mehr Fragen aus diesem Sachgebiet gibt es in der Prüfungssimulation und gesammelt auf der Seite Prüfungsfragen Grundzüge der Sicherheitstechnik.

Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der aktuelle Gesetzestext.