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Umgang mit Menschen

Stress im Dienst und Stressbewältigung

Nachtschicht, Alarm, ein Gast, der dich anschreit: Stress gehört zum Wachdienst. Entscheidend ist, ihn zu erkennen und so zu steuern, dass du handlungsfähig bleibst.

Stand: 06.11.2026Von Oliver Misch

Kurz gesagt: Stress ist die Reaktion des Körpers auf Belastungen, die Stressoren. Kurzfristig macht er leistungsfähig, zu viel und zu lange macht er krank. Unter akutem Stress verengt sich die Wahrnehmung, deshalb helfen eingeübte Abläufe, Atemtechnik und Nachbereitung.

Kaum ein Beruf wechselt so schnell zwischen Langeweile und Hochspannung wie der Wachdienst. Stundenlang passiert nichts, dann geht der Alarm los oder ein Streit am Einlass kippt. Wer weiß, was Stress im Körper anrichtet, kann gegensteuern und trifft auch unter Druck noch brauchbare Entscheidungen. Die Bewachungsverordnung nennt Konflikte und Stress ausdrücklich als Inhalt des Sachgebiets Umgang mit Menschen. In der Prüfung tauchen vor allem die Begriffe Stressor, Eustress und Distress sowie die Folgen von Stress auf.

Was Stress ist

Den Begriff hat der Mediziner Hans Selye in die Wissenschaft eingeführt. Stress ist die Anpassungsreaktion des Körpers auf eine Belastung. Die Belastung selbst heißt Stressor. Ob ein Stressor Stress auslöst, hängt stark von der Bewertung ab: Was der eine als Herausforderung erlebt, ist für den anderen eine Bedrohung.

Eustress und Distress

  • Eustress ist positiver Stress. Er macht wach, konzentriert und motiviert, etwa vor einer wichtigen Aufgabe, die du dir zutraust.
  • Distress ist negativer Stress. Er entsteht, wenn die Belastung zu groß oder zu lang ist oder du dich ausgeliefert fühlst. Er schadet auf Dauer Körper und Psyche.

Stressoren im Wachdienst

ArtBeispiele
KörperlichNachtschicht, Kälte, Lärm, langes Stehen, Hunger, Schlafmangel
PsychischAngst vor Angriffen, Verantwortung, Monotonie, Zeitdruck
SozialBeleidigungen, Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzten, fehlende Anerkennung
Besondere EreignisseGewalt, schwere Verletzungen, Tod, Großschadenslagen

Was im Körper passiert

Bei akuter Gefahr schaltet der Körper in einen uralten Notfallmodus, oft Kampf-oder-Flucht-Reaktion genannt. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet. Puls und Blutdruck steigen, die Atmung wird schneller, die Muskeln spannen sich, Energie wird bereitgestellt. Verdauung und andere gerade unwichtige Funktionen werden gedrosselt.

Selye hat den Ablauf bei länger dauernder Belastung in drei Phasen beschrieben:

  1. Alarmreaktion: Der Körper mobilisiert alle Kräfte.
  2. Widerstandsphase: Er versucht, die Belastung auszuhalten und sich anzupassen.
  3. Erschöpfungsphase: Hält die Belastung zu lange an, sind die Reserven aufgebraucht. Dann drohen Krankheit, Schlafstörungen, Gereiztheit, im schlimmsten Fall Burnout.

Folgen im Einsatz

Unter hohem akutem Stress verändern sich Wahrnehmung und Verhalten. Das ist wichtig, weil du in solchen Momenten Entscheidungen triffst.

  • Tunnelblick: Du siehst nur noch die Gefahr vor dir und übersiehst den zweiten Angreifer oder den Notausgang.
  • Eingeschränktes Hören: Funksprüche oder Zurufe kommen nicht an.
  • Feinmotorik leidet: Schlüssel ins Schloss, Funkgerät bedienen, Nummer wählen werden schwer.
  • Einfaches Denken: Komplexe Abwägungen gelingen kaum, man greift auf Gewohntes zurück.
  • Gereiztheit: Die Schwelle zu Aggression sinkt, auch bei dir selbst.

Daraus folgt: Was du nicht vorher geübt hast, kannst du im Ernstfall schlecht. Deshalb sind Unterweisungen, Alarmübungen und feste Abläufe so wertvoll.

Stressbewältigung

Akut, im Moment

  • Atmen: Langsam durch die Nase ein, länger durch den Mund aus. Einige ruhige Atemzüge senken den Puls spürbar.
  • Kurz innehalten: Einen Schritt zurück, Lage neu ansehen, bewusst den Kopf drehen gegen den Tunnelblick.
  • Selbstgespräch: Ein klarer Satz wie Ruhig, erst melden, dann handeln ordnet die Gedanken.
  • Hilfe holen: Funk, Kollegen, Leitstelle. Du musst nicht alles allein lösen.

Langfristig

  • Ausreichend Schlaf, gerade bei Schichtarbeit. Den Schlafplatz am Tag abdunkeln.
  • Bewegung und Sport bauen Stresshormone ab.
  • Regelmäßig und nicht zu schwer essen, genug trinken.
  • Ausgleich außerhalb der Arbeit, soziale Kontakte.
  • Alkohol, Drogen oder Aufputschmittel sind keine Bewältigung. Im Dienst sind berauschende Mittel nach der DGUV Vorschrift 23 ohnehin verboten, bei Dienstantritt musst du nüchtern sein.

Nach belastenden Ereignissen

Nach einem schweren Vorfall reden hilft. Eine Nachbesprechung im Team, ein Gespräch mit Vorgesetzten oder einer Vertrauensperson verhindert, dass sich Erlebtes festsetzt. Schlafstörungen, Bilder im Kopf oder Reizbarkeit in den Tagen danach sind normale Reaktionen. Halten sie an, solltest du dir Hilfe holen. Ein solches Ereignis im Dienst kann ein Arbeitsunfall sein. Melde es deshalb, damit die Berufsgenossenschaft Unterstützung leisten kann.

Ein Fall aus dem Dienst

Du bist allein im Nachtdienst in einem Verwaltungsgebäude. Um vier Uhr löst ein Brandmelder im dritten Stock aus. Dein Puls rast, du merkst, dass du das Funkgerät zweimal fallen lässt. Statt sofort loszurennen, bleibst du kurz stehen, atmest zweimal tief aus und gehst den Alarmplan durch: Meldung an die Leitstelle, Feuerwehr, Melderposition prüfen, Laufkarte nehmen. Weil du den Ablauf in der Unterweisung geübt hast, läuft er fast automatisch. Am Ende war es ein Fehlalarm durch Staub. Am nächsten Tag sprichst du mit deinem Schichtleiter darüber, wie sich der Schreck angefühlt hat. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern gute Nachsorge.

Typische Prüfungsfallen

  • Der Stressor ist der Auslöser, Stress die Reaktion darauf. Nicht verwechseln.
  • Eustress ist positiv, Distress negativ. Nicht jeder Stress ist schädlich.
  • Unter Stress wird die Wahrnehmung enger, nicht weiter. Tunnelblick und eingeschränktes Hören sind typisch.
  • Die Phasen nach Selye: Alarmreaktion, Widerstand, Erschöpfung.
  • Alkohol ist kein Mittel zur Stressbewältigung und im Dienst verboten.

Teste dich: Übungsfragen zu diesem Thema

Wie in der IHK-Prüfung können eine oder zwei Antworten richtig sein. Kreuze an und prüfe dann.

Frage 1 von 6 · 1 richtige Antwort

Was versteht man unter einem Stressor?

Frage 2 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche Aussagen zu Eustress und Distress sind richtig?

Frage 3 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche Folgen hat starker akuter Stress häufig auf deine Wahrnehmung?

Frage 4 von 6 · 1 richtige Antwort

In welcher Reihenfolge laufen die Phasen der Stressreaktion nach Selye ab?

Frage 5 von 6 · 1 richtige Antwort

Ein Kollege trinkt vor der Nachtschicht zwei Bier, um entspannter zu sein. Wie ist das zu bewerten?

Frage 6 von 6 · 1 richtige Antwort

Was hilft dir am meisten, um in einer plötzlichen Alarmsituation handlungsfähig zu bleiben?

Mehr Fragen aus diesem Sachgebiet gibt es in der Prüfungssimulation und gesammelt auf der Seite Prüfungsfragen Umgang mit Menschen.

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