Kurz gesagt: Offene Fragen beginnen mit einem W-Wort und bringen viele Informationen. Geschlossene Fragen lassen nur Ja oder Nein zu und eignen sich zum schnellen Klären. Alternativfragen geben eine Wahl, Suggestivfragen legen die Antwort in den Mund und haben bei Befragungen nichts zu suchen.
Im Dienst musst du ständig etwas herausfinden: Wer ist die Person auf dem Gelände? Was genau ist passiert? Hat der Verletzte Schmerzen? Je nachdem, wie du fragst, bekommst du ganz unterschiedliche Antworten. Eine falsche Frageform kann ein Gespräch abwürgen, einen Gast provozieren oder eine Zeugenaussage wertlos machen. Fragetechniken gehören deshalb zur Gesprächsführung, die Anlage 2 der BewachV ausdrücklich nennt.
Offene Fragen
Offene Fragen beginnen mit einem Fragewort: wer, was, wo, wann, wie, womit, welche, warum. Man nennt sie deshalb auch W-Fragen. Sie lassen sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Der Befragte muss erzählen.
Wofür sie gut sind: Informationen sammeln, ein Gespräch in Gang bringen, einem aufgebrachten Menschen Raum geben. "Was ist passiert?" ist die wichtigste Frage bei jedem Vorfall.
Nachteil: Sie kosten Zeit, und manche Menschen erzählen ausschweifend.
Vorsicht mit "Warum"
Die Warum-Frage ist offen, klingt aber oft wie ein Vorwurf. "Warum sind Sie hier über den Zaun gestiegen?" setzt den anderen unter Rechtfertigungsdruck. Neutraler ist: "Was wollten Sie auf dem Gelände?" oder "Wie sind Sie hier hereingekommen?"
Geschlossene Fragen
Geschlossene Fragen lassen nur eine kurze Antwort zu, meist Ja oder Nein. "Haben Sie einen Ausweis dabei?", "Sind Sie verletzt?", "Ist noch jemand im Gebäude?"
Wofür sie gut sind: schnelle Klärung, Bestätigung von Fakten, Notfälle, Gespräche mit Menschen, die stark aufgeregt, betrunken oder kaum deutschsprachig sind. Bei einer Räumung brauchst du keine Erzählung, sondern ein klares Ja oder Nein.
Nachteil: Viele geschlossene Fragen hintereinander wirken wie ein Verhör. Und du bekommst nur die Information, nach der du gefragt hast.
Weitere Frageformen
Alternativfragen
Du gibst zwei Möglichkeiten vor: "Möchten Sie den Rucksack an der Garderobe abgeben oder lieber zum Auto bringen?" Das ist ein starkes Mittel der Deeskalation. Der andere behält eine Wahl und damit sein Gesicht, und beide Möglichkeiten sind für dich in Ordnung. Wichtig: Beide Alternativen müssen ehrlich und zulässig sein.
Suggestivfragen
Eine Suggestivfrage legt die Antwort nahe: "Der Täter war doch groß und hatte eine dunkle Jacke, oder?" Gerade bei Zeugen ist das gefährlich. Menschen übernehmen unbewusst Details, die sie gar nicht gesehen haben. Die Aussage wird dadurch verfälscht und ist für die Polizei weniger wert. Besser: "Wie sah die Person aus?"
Rhetorische Fragen
Eine rhetorische Frage erwartet keine Antwort: "Können Sie nicht lesen?" Im Dienst wirkt so etwas fast immer herablassend und provozierend. Lass es.
Kontroll- und Verständnisfragen
"Habe ich Sie richtig verstanden, dass die Tür schon offen war, als Sie kamen?" Damit prüfst du, ob die Information stimmt. Das passt gut zum aktiven Zuhören.
Die W-Fragen für Meldungen
Für Berichte und Meldungen an die Leitstelle oder Polizei helfen die W-Fragen als Gerüst: Wer war beteiligt? Was ist passiert? Wo genau? Wann? Wie ist es abgelaufen? Welche Folgen gibt es, etwa Verletzte oder Schäden? Auch beim Notruf fragt die Leitstelle nach diesem Muster, vor allem nach dem Ort, dem Geschehen und der Zahl der Verletzten. Leg danach nicht sofort auf, sondern warte auf Rückfragen.
Ein Fall aus dem Dienst
Du bist nachts auf Streife über das Gelände eines Logistikzentrums. Hinter einer Halle triffst du einen jungen Mann. Er sagt nichts und schaut nervös.
Du beginnst mit einer offenen Frage, freundlich und mit Abstand: "Guten Abend. Was machen Sie hier?" Er sagt, er suche seinen Bruder, der hier Nachtschicht habe. Jetzt klärst du mit geschlossenen Fragen: "Arbeitet Ihr Bruder in Halle 2?" "Haben Sie ihn angerufen?" Dann eine Alternativfrage: "Wollen wir ihn zusammen von der Pforte aus anrufen, oder warten Sie draußen am Tor?" Beides bringt ihn vom Gelände weg, ohne dass er sich abgeführt fühlt.
Ergibt sich ein Verdacht, etwa weil ein Fenster eingeschlagen ist, verständigst du die Polizei. Ein Verhör führst du nicht. Einen Ausweis kannst du nur erbitten, erzwingen kannst du ihn nicht. Was die Polizei dazu darf, steht bei der Identitätsfeststellung.
Typische Prüfungsfallen
- Offene Fragen bringen Informationen, geschlossene Fragen bringen Klarheit. Keine Form ist immer besser.
- Suggestivfragen verfälschen Zeugenaussagen. Bei Befragungen offen fragen.
- Die Alternativfrage ist keine Suggestivfrage. Sie lässt echte Wahl zwischen zwei zulässigen Möglichkeiten.
- Warum-Fragen sind offen, können aber wie ein Vorwurf wirken.
- In Notfällen sind geschlossene Fragen oft die richtige Wahl.
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