Kurz gesagt: Das Selbstbild ist, wie du dich selbst siehst. Das Fremdbild ist, wie andere dich sehen. Das Johari-Fenster zeigt, dass es Bereiche gibt, die nur andere an dir erkennen, den blinden Fleck. Feedback hilft, ihn zu verkleinern.
Jede Wachperson wirkt auf andere, ob sie will oder nicht. Gäste, Mitarbeiter des Auftraggebers und Kollegen machen sich ein Bild von dir, und dieses Bild bestimmt, wie sie dir begegnen. Wer kooperativ wirkt, bekommt eher Kooperation. Wer bedrohlich wirkt, provoziert eher Widerstand. Das Problem: Wie du wirkst, weißt du oft selbst nicht genau. Genau darum geht es bei Selbstbild und Fremdbild.
Die Begriffe
Selbstbild ist die Vorstellung, die du von dir selbst hast: deine Eigenschaften, Stärken, Schwächen, dein Verhalten und deine Wirkung. Es entsteht aus Erfahrungen, Rückmeldungen und dem, wie du dich gern sehen würdest.
Fremdbild ist das Bild, das andere von dir haben. Es entsteht aus dem, was sie sehen und hören: dein Auftreten, deine Sprache, deine Körpersprache, deine Kleidung, dein Verhalten in bestimmten Situationen. Es gibt nicht ein Fremdbild, sondern viele. Der Auftraggeber sieht dich anders als ein abgewiesener Gast.
Beide Bilder sind nie völlig gleich. Kleine Unterschiede sind normal. Große Unterschiede führen zu Missverständnissen und Konflikten, weil du dich anders verhältst, als die anderen es von dir erwarten.
Das Johari-Fenster
Die US-amerikanischen Psychologen Joseph Luft und Harry Ingham haben 1955 ein Modell entwickelt, das nach ihren Vornamen Johari-Fenster heißt. Es teilt die Persönlichkeit in vier Bereiche ein, je nachdem, ob etwas dir selbst und anderen bekannt ist:
| Mir bekannt | Mir unbekannt | |
|---|---|---|
| Anderen bekannt | Öffentliche Person | Blinder Fleck |
| Anderen unbekannt | Private Person (Geheimnis) | Unbekanntes |
- Öffentliche Person: Was du von dir weißt und auch andere sehen. Etwa dass du pünktlich bist oder laut lachst.
- Blinder Fleck: Was andere an dir wahrnehmen, du selbst aber nicht. Etwa dass du beim Reden mit Gästen die Arme verschränkst oder dass dein Tonfall herablassend klingt.
- Private Person oder Geheimnis: Was du weißt, aber anderen nicht zeigst. Etwa dass du nachts auf Streife Angst hast oder private Sorgen.
- Unbekanntes: Was weder du noch andere wissen. Etwa wie du in einer echten Extremsituation reagieren würdest.
Das Ziel ist, den Bereich der öffentlichen Person zu vergrößern. Das geht auf zwei Wegen: Durch Feedback von anderen wird der blinde Fleck kleiner. Durch Offenheit, also wenn du etwas von dir preisgibst, wird der private Bereich kleiner. Im Dienst ist vor allem der erste Weg wichtig. Wie du Feedback gut aufnimmst, steht bei Kritik äußern und annehmen.
Die Rolle der Dienstkleidung
Im Sicherheitsdienst hat das Fremdbild eine Besonderheit: Du trägst eine Rolle. Viele Menschen sehen zuerst die Dienstkleidung und erst dann den Menschen. Mit ihr verbinden sie Erwartungen und Vorurteile, positive wie negative. Der eine fühlt sich sicherer, der andere denkt an schlechte Erfahrungen mit Türstehern.
Das heißt: Ein Teil der Reaktionen, die du bekommst, gilt nicht dir persönlich, sondern deiner Rolle. Wer das versteht, nimmt Ablehnung weniger persönlich. Gleichzeitig verstärkt die Rolle deine Wirkung. Eine Geste, die privat locker wirkt, kann in Dienstkleidung bedrohlich wirken. Die Bewachungsverordnung schreibt übrigens vor, dass Dienstkleidung sich deutlich von Uniformen der Polizei und Bundeswehr unterscheiden muss (Paragraf 19 BewachV). Auch das prägt das Fremdbild: Du sollst als privater Dienst erkennbar sein, nicht als Staatsgewalt.
Ein Fall aus dem Dienst
Du arbeitest seit einigen Wochen am Empfang eines Konzerngebäudes. Du hältst dich für freundlich und korrekt. Dann sagt dir dein Objektleiter, dass sich zwei Abteilungsleiter über dein "arrogantes Auftreten" beschwert haben. Du bist überrascht und gekränkt.
Statt dich zu verteidigen, fragst du nach: Was genau ist aufgefallen? Es stellt sich heraus: Du bleibst bei der Begrüßung sitzen, schaust nur kurz auf und sagst "Ausweis". Für dich ist das effizient. Bei den Mitarbeitern kommt an: Ich bin dir lästig. Das war dein blinder Fleck.
Du änderst Kleinigkeiten: kurz aufschauen, Blickkontakt, ein "Guten Morgen" vor der Bitte um den Ausweis. Nach zwei Wochen fragst du den Objektleiter, ob sich etwas verändert hat. Das Fremdbild hat sich verschoben, ohne dass du an der Kontrolle selbst etwas geändert hast. Wie sehr gerade die ersten Sekunden zählen, erklärt die Seite zum ersten Eindruck.
Typische Prüfungsfallen
- Der blinde Fleck ist das, was andere an dir sehen, du selbst aber nicht. Nicht mit dem Geheimnis verwechseln, das nur du kennst.
- Den blinden Fleck verkleinerst du durch Feedback von anderen, nicht durch Nachdenken allein.
- Das Fremdbild ist nicht einfach falsch. Es zeigt, wie dein Verhalten tatsächlich ankommt.
- Das Johari-Fenster stammt von Luft und Ingham, nicht von Schulz von Thun.
- Dienstkleidung beeinflusst das Fremdbild stark. Manche Reaktionen gelten der Rolle, nicht der Person.
Teste dich: Übungsfragen zu diesem Thema
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Was bezeichnet im Johari-Fenster der blinde Fleck?
Wie lässt sich der blinde Fleck verkleinern?
Von wem stammt das Johari-Fenster?
Ein Kollege hält sich für korrekt, mehrere Mitarbeiter finden ihn aber unhöflich. Was ist die beste Deutung?
Welche Aussagen zur Wirkung der Dienstkleidung treffen zu?
Du hast nachts auf Streife manchmal Angst, zeigst das aber nie. In welchem Bereich des Johari-Fensters liegt das?
Mehr Fragen aus diesem Sachgebiet gibt es in der Prüfungssimulation und gesammelt auf der Seite Prüfungsfragen Umgang mit Menschen.
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