Kurz gesagt: Gute Kritik ist zeitnah, unter vier Augen, konkret und bezieht sich auf das Verhalten, nicht auf die Person. Wer Kritik annimmt, hört zu, fragt nach und rechtfertigt sich nicht sofort. Beides gehört zur Gesprächsführung, die in der Prüfung verlangt wird.
Im Sicherheitsdienst arbeitest du oft eng mit wenigen Kollegen zusammen, manchmal über viele Monate im selben Objekt. Wenn dort etwas schiefläuft, muss es angesprochen werden. Ein Kollege, der Rundgänge auslässt, gefährdet das Objekt und am Ende den Auftrag. Gleichzeitig bekommst du selbst Kritik: vom Objektleiter, vom Auftraggeber, von Besuchern. Wie du Kritik äußerst und annimmst, entscheidet darüber, ob sich etwas verbessert oder ob das Klima im Team kippt.
Kritik und Feedback
Feedback heißt Rückmeldung. Es kann positiv sein (Lob, Bestätigung) oder kritisch (Hinweis auf ein Problem). Kritik im guten Sinn ist kein Angriff, sondern eine Information: So wirkt dein Verhalten auf andere, und das sollte sich ändern. Damit diese Information ankommt, braucht sie die richtige Form.
Regeln für das Äußern von Kritik
- Zeitnah: Sprich das Problem bald an, solange die Situation noch frisch ist. Wer Fehler sammelt und nach Wochen alles auf einmal auspackt, erzeugt nur Abwehr.
- Unter vier Augen: Nie vor Besuchern, Gästen oder dem halben Team. Wer öffentlich kritisiert wird, verliert das Gesicht und kann nicht mehr zuhören.
- Konkret: Nenne die Situation. "Gestern um 23 Uhr hast du den Rundgang durch Halle 4 nicht gemacht" statt "Du bist unzuverlässig".
- Verhalten statt Person: Kritisiere, was jemand getan hat, nicht, wer er ist.
- Beschreiben statt bewerten: Fakten zuerst, dann die Wirkung. Dafür eignen sich Ich-Botschaften.
- Keine Verallgemeinerungen: "Immer" und "nie" stimmen fast nie und laden zum Widerspruch ein.
- Lösung anbieten oder erfragen: Was soll künftig anders laufen? Wie kann das gelingen?
- Ruhig bleiben: Wenn du gerade wütend bist, warte kurz. Kritik in der Erregung trifft fast immer die Person.
Die Sandwich-Methode
Oft empfohlen wird die Sandwich-Methode: erst etwas Positives, dann die Kritik, am Ende wieder etwas Positives. Das kann helfen, wenn das Lob ehrlich ist. Wird sie mechanisch eingesetzt, merkt das Gegenüber schnell, dass das Lob nur Verpackung ist, und hört beim nächsten Lob schon auf den Haken. Ehrliche Anerkennung ist besser als ein Ritual.
Regeln für das Annehmen von Kritik
Kritik anzunehmen ist schwerer, als sie zu äußern. Der erste Reflex ist die Verteidigung. Hilfreich ist:
- Zuhören und ausreden lassen: Erst verstehen, dann antworten.
- Nicht sofort rechtfertigen: Erklärungen kommen später. Wer sofort widerspricht, signalisiert: Ich will das nicht hören.
- Nachfragen: "Wann genau war das?", "Was hätte ich anders machen sollen?"
- Bedanken: Wer sich die Mühe macht, Kritik zu äußern, gibt dir eine Chance zur Verbesserung.
- Prüfen: Nicht jede Kritik ist berechtigt. Du entscheidest danach in Ruhe, was du annimmst.
- Trennen: Kritik an deinem Verhalten ist kein Urteil über deinen Wert als Mensch.
Das gelingt umso leichter, je stabiler dein Selbstwertgefühl ist. Kritik ist außerdem eine der wichtigsten Quellen, um den eigenen blinden Fleck zu verkleinern, wie es beim Selbstbild und Fremdbild beschrieben ist.
Kritik von Kunden und Auftraggebern
Kritik von außen ist ein Sonderfall. Wenn ein Vertreter des Auftraggebers sich über dich beschwert, ist das nicht der Moment für eine Grundsatzdiskussion. Hör zu, nimm die Punkte auf, sag zu, dass du sie prüfst, und gib die Sache an deinen Vorgesetzten weiter. Über Vertragsfragen entscheidet dein Arbeitgeber, nicht du an der Pforte.
Ein Fall aus dem Dienst
Du arbeitest im Objektschutz in einem Krankenhaus. Dein Kollege führt das Wachbuch seit Tagen nur noch stichpunktartig. Gestern fehlte der Eintrag über einen Notarzteinsatz in der Tiefgarage. Der Auftraggeber hat nachgefragt, niemand konnte Auskunft geben.
Falsch wäre, ihn bei der Schichtübergabe vor zwei anderen Kollegen anzufahren: "Du schlampst ständig mit dem Wachbuch." Besser: Du wartest, bis ihr allein seid. "Gestern fehlte der Eintrag zum Notarzteinsatz in der Tiefgarage. Der Auftraggeber hat danach gefragt, und wir standen ohne Antwort da. Das war mir unangenehm. Lass uns ab heute jeden Einsatz mit Uhrzeit eintragen. Brauchst du dafür etwas, zum Beispiel eine Vorlage?"
Reagiert er gereizt ("Du bist doch nicht mein Chef"), bleibst du sachlich und wiederholst den Kern. Ändert sich nichts, gibst du es an den Objektleiter weiter. Das ist kein Verrat. Ein lückenhaftes Wachbuch kann im Ernstfall dich, den Kollegen und den Auftrag in Schwierigkeiten bringen.
Typische Prüfungsfallen
- Kritik gehört unter vier Augen, nicht vor Publikum.
- Kritisiert wird das Verhalten, nicht die Person.
- Sofortiges Rechtfertigen ist beim Annehmen von Kritik ein Fehler, nicht ein Zeichen von Stärke.
- Konkrete Beispiele sind besser als Verallgemeinerungen mit "immer" und "nie".
- Kritik annehmen heißt nicht, jede Kritik als berechtigt zu übernehmen. Prüfen gehört dazu.
Teste dich: Übungsfragen zu diesem Thema
Wie in der IHK-Prüfung können eine oder zwei Antworten richtig sein. Kreuze an und prüfe dann.
Welche Regeln gelten für das Äußern von Kritik?
Welche Formulierung entspricht den Regeln für gute Kritik?
Dein Objektleiter kritisiert, dass du einen Besucher zu barsch abgewiesen hast. Was ist die beste erste Reaktion?
Was ist ein Risiko der Sandwich-Methode?
Welche Aussagen zum Annehmen von Kritik treffen zu?
Ein Kollege führt das Wachbuch trotz deines Hinweises weiterhin lückenhaft. Was tust du?
Mehr Fragen aus diesem Sachgebiet gibt es in der Prüfungssimulation und gesammelt auf der Seite Prüfungsfragen Umgang mit Menschen.
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