Kurz gesagt: Schusswaffen sind Gegenstände, bei denen Geschosse durch einen Lauf getrieben werden und die zu bestimmten Zwecken wie Verteidigung, Jagd, Sport oder Spiel bestimmt sind. Wesentliche Teile wie Lauf oder Verschluss werden wie die ganze Waffe behandelt. Ob eine Schusswaffe verboten, erlaubnispflichtig oder erlaubnisfrei ist, regelt Anlage 2 WaffG.
Schusswaffen sind die Waffen, bei denen das Waffenrecht am strengsten ist. Für die meisten brauchst du eine Erlaubnis, manche sind ganz verboten. Als Wachperson wirst du mit echten Schusswaffen vielleicht nie arbeiten. Trotzdem musst du sie erkennen und einordnen können: bei einem Fund auf dem Kontrollgang, bei einer Taschenkontrolle oder wenn jemand mit einer Waffe droht. Die Prüfung fragt vor allem nach der Definition und nach den Arten.
Was im Gesetz steht
§1 Abs. 2 Nr. 1 WaffG nennt Schusswaffen und ihnen gleichgestellte Gegenstände als erste Waffengruppe. Die Definition steht in Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 1 Nr. 1.1: Schusswaffen sind Gegenstände, die zum Angriff oder zur Verteidigung, zur Signalgebung, zur Jagd, zur Distanzinjektion, zur Markierung, zum Sport oder zum Spiel bestimmt sind und bei denen Geschosse durch einen Lauf getrieben werden.
Zwei Merkmale musst du dir merken: ein Lauf und ein Geschoss, das durch ihn getrieben wird. Womit das Geschoss angetrieben wird, ist für den Begriff egal. Pulvergas, Druckluft, Federkraft oder CO2 reichen gleichermaßen.
Gleichgestellte Gegenstände
Den Schusswaffen stehen bestimmte tragbare Gegenstände gleich, obwohl sie keinen Lauf im klassischen Sinn haben oder anders funktionieren:
- Gegenstände, die zum Abschießen von Munition für die genannten Zwecke bestimmt sind, zum Beispiel bestimmte Abschussgeräte für Signalmunition
- tragbare Schussgeräte für technische Zwecke, etwa Bolzensetzgeräte, wenn sie nicht nach dem Beschussgesetz geprüft und gekennzeichnet sind
- Geräte, die feste Körper gezielt verschießen und deren Antriebsenergie durch eine Sperrvorrichtung gespeichert wird, zum Beispiel Armbrüste und Pfeilabschussgeräte
Wesentliche Teile und Schalldämpfer
Wesentliche Teile stehen der Schusswaffe gleich, für die sie bestimmt sind. Wer nur einen Lauf kauft, wird also behandelt, als hätte er die ganze Waffe gekauft. Wesentliche Teile sind insbesondere:
- der Lauf
- der Verschluss, der das Patronenlager nach hinten abschließt
- das Patronen- oder Kartuschenlager, wenn es nicht Teil des Laufs ist
- das Gehäuse, bei Kurzwaffen das Griffstück
Auch Schalldämpfer werden wie die Schusswaffe behandelt, für die sie bestimmt sind.
Die Arten von Schusswaffen
| Art | Merkmal |
|---|---|
| Feuerwaffe | Das Geschoss wird durch heiße Gase angetrieben, also durch eine Pulverladung. |
| Vollautomat | Mit einer Betätigung des Abzugs werden mehrere Schüsse abgegeben. |
| Halbautomat | Die Waffe lädt selbsttätig nach, pro Abzug fällt aber nur ein Schuss. |
| Repetierwaffe | Die Patrone wird von Hand aus dem Magazin zugeführt, etwa per Kammerstängel. |
| Einzellader | Kein Magazin, vor jedem Schuss wird von Hand geladen. |
| Langwaffe | Lauf und Verschluss zusammen länger als 30 cm und kürzeste Gesamtlänge über 60 cm. |
| Kurzwaffe | Alle anderen Schusswaffen, also vor allem Pistolen und Revolver. |
| Schreckschuss-, Reizstoff-, Signalwaffe | Verschießen Kartuschenmunition, Reizstoffe oder pyrotechnische Munition. |
| Druckluft-, Federdruck-, CO2-Waffe | Antrieb durch Luft, Federkraft oder kalte Treibgase statt heißer Gase. |
Ein Detail, das gern abgefragt wird: Der Double-Action-Revolver ist kein Halbautomat. Bei ihm dreht der Abzug die Trommel weiter und spannt den Hahn. Die Waffe lädt also nicht selbsttätig nach.
Wie Schusswaffen eingestuft werden
Die Waffenliste in Anlage 2 entscheidet, was erlaubt ist:
- Verboten sind zum Beispiel Vollautomaten, Schusswaffen, die als Alltagsgegenstand getarnt sind (etwa ein Schießkugelschreiber), und Vorderschaftrepetierflinten mit Pistolengriff statt Hinterschaft oder unter den gesetzlichen Mindestlängen.
- Erlaubnispflichtig sind alle anderen Schusswaffen, soweit sie nicht ausdrücklich freigestellt sind. Für Erwerb und Besitz brauchst du eine Waffenbesitzkarte, für das Führen einen Waffenschein.
- Erlaubnisfrei zu erwerben und zu besitzen sind unter anderem Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen mit PTB-Zeichen, Druckluftwaffen mit F-Zeichen bis 7,5 Joule und Armbrüste. Für bestimmte mehrschüssige Druckluftwaffen gilt seit Juli 2025 eine Ausnahme, siehe Druckluft-, Federdruck- und CO2-Waffen.
Kriegswaffen wie Maschinengewehre fallen zusätzlich unter das Kriegswaffenkontrollgesetz.
Ein Fall aus dem Dienst
Auf deinem Revierkontrollgang findest du hinter einem Müllcontainer eine Pistole. Ob sie echt ist, eine Schreckschusswaffe oder eine Nachbildung, kannst du von außen nicht sicher erkennen. Du fasst sie nicht an, sicherst den Fundort, lässt niemanden heran und rufst die Polizei. Du dokumentierst Zeit, Ort und Auffindesituation im Wachbuch.
Warum nicht einfach mitnehmen? Wer eine erlaubnispflichtige Schusswaffe an sich nimmt, erwirbt und besitzt sie. Ein Finder muss das der Behörde zwar unverzüglich anzeigen (§37c WaffG), du riskierst aber Spurenverlust und einen ungewollten Schuss. Die Polizei übernimmt die Waffe, untersucht sie und klärt, ob sie mit einer Tat zu tun hat.
Typische Prüfungsfallen
- Auch Luftgewehre und Schreckschusspistolen sind Schusswaffen. Erlaubnisfrei heißt nicht, dass es keine Schusswaffe ist.
- Die Armbrust ist keine Schusswaffe im engen Sinn, steht ihr aber gleich.
- Ein einzelner Lauf wird behandelt wie die ganze Waffe.
- Feuerwaffe heißt Antrieb durch heiße Gase. Druckluft und CO2 sind keine Feuerwaffen.
- Für die Langwaffe müssen beide Längen stimmen: Lauf und Verschluss über 30 cm und Gesamtlänge über 60 cm.
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