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Unfallverhütungsvorschriften

DGUV Vorschrift 1: Grundsätze der Prävention

Das Grundgesetz der Unfallverhütung. Wie die DGUV Vorschrift 1 aufgebaut ist und welche Paragrafen du für die Prüfung kennen musst.

Stand: 06.11.2026Von Oliver Misch

Kurz gesagt: Die DGUV Vorschrift 1 gilt in allen Branchen und regelt die Grundpflichten im Arbeitsschutz. Sie hat 34 Paragrafen in sieben Kapiteln: Pflichten des Unternehmers, Pflichten der Versicherten, Organisation des Arbeitsschutzes und Ordnungswidrigkeiten. Für den Wachdienst wird sie durch die DGUV Vorschrift 23 ergänzt.

Die DGUV Vorschrift 1 "Grundsätze der Prävention" ist die wichtigste Unfallverhütungsvorschrift überhaupt. Sie gilt für jeden Betrieb in Deutschland, vom Bäcker bis zum Bewachungsunternehmen. Für die Prüfung musst du sie nicht auswendig können. Du solltest aber wissen, wie sie aufgebaut ist, wer welche Pflichten hat und welche Zahlen immer wieder abgefragt werden.

Woher die Vorschrift kommt

Die aktuelle Fassung stammt von 2013. Sie hat die frühere BGV A1 ersetzt und wurde danach von allen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen in Kraft gesetzt, also auch von der VBG. Die DGUV hat sie als Mustertext entworfen, damit in allen Branchen dieselben Grundregeln gelten. Erläuterungen zu jedem Paragrafen enthält die DGUV Regel 100-001.

Die Vorschrift wiederholt das staatliche Recht nicht, sondern verweist darauf. Mehrfach heißt es "entsprechend Arbeitsschutzgesetz". Der Unternehmer muss also die Grundsätze des Arbeitsschutzgesetzes anwenden, auch gegenüber Versicherten, die keine Arbeitnehmer sind.

Der Aufbau

KapitelInhaltParagrafen
Erstes KapitelAllgemeine Vorschriften: Geltungsbereich§1
Zweites KapitelPflichten des Unternehmers§§2 bis 14
Drittes KapitelPflichten der Versicherten§§15 bis 18
Viertes KapitelOrganisation des betrieblichen Arbeitsschutzes: Betreuung, Sicherheitsbeauftragte, besondere Gefahren, Erste Hilfe, persönliche Schutzausrüstung§§19 bis 31
Fünftes KapitelOrdnungswidrigkeiten§32
Sechstes und siebtes KapitelAufhebung alter Vorschriften, Inkrafttreten§§33 und 34

Dazu kommen zwei Anlagen: Anlage 1 listet staatliche Arbeitsschutzvorschriften auf, zum Beispiel Arbeitsschutzgesetz, Arbeitsstättenverordnung und PSA-Benutzungsverordnung. Anlage 2 regelt, welche Stellen Ersthelfer ausbilden dürfen.

Die Kernaussagen in Kurzform

Der Unternehmer trägt die Hauptverantwortung

Er muss alle erforderlichen Maßnahmen gegen Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren treffen und für wirksame Erste Hilfe sorgen. Grundlage dafür ist die Gefährdungsbeurteilung. Er muss die Beschäftigten mindestens einmal jährlich unterweisen und das dokumentieren. Er darf keine sicherheitswidrigen Weisungen geben und die Kosten für Arbeitsschutz nicht auf die Beschäftigten abwälzen. Details auf der Seite Pflichten des Unternehmers.

Die Versicherten müssen mitwirken

Sie müssen nach ihren Möglichkeiten für die eigene Sicherheit und die anderer sorgen, Weisungen befolgen, Gefahren melden, Arbeitsmittel und Schutzausrüstung richtig benutzen und dürfen sich nicht durch Alkohol, Drogen oder Medikamente in einen gefährlichen Zustand bringen. Mehr dazu unter Pflichten der Versicherten.

Der Betrieb braucht eine Organisation

Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte, Sicherheitsbeauftragte, Ersthelfer in ausreichender Zahl, Notfallpläne und geeignete Schutzausrüstung. Das regelt das vierte Kapitel.

Zahlen, die oft abgefragt werden

  • Unterweisung: mindestens einmal jährlich, dokumentiert (§4).
  • Sicherheitsbeauftragte: §20 nennt noch Unternehmen mit regelmäßig mehr als 20 Beschäftigten. Seit 2026 gilt vorrangig der geänderte §22 SGB VII: Pflicht im Regelfall ab regelmäßig 50 Beschäftigten, bei mehr als 20 und weniger als 50 nur bei besonderer Gefährdung laut Gefährdungsbeurteilung.
  • Ersthelfer: bei 2 bis 20 anwesenden Versicherten mindestens einer, darüber 5 Prozent in Verwaltungs- und Handelsbetrieben und 10 Prozent in sonstigen Betrieben (§26).
  • Fortbildung der Ersthelfer: in der Regel alle zwei Jahre (§26).
  • Dokumentation jeder Erste-Hilfe-Leistung: fünf Jahre aufbewahren (§24).

DGUV Vorschrift 1 und DGUV Vorschrift 23

Die DGUV Vorschrift 1 ist allgemein, die DGUV Vorschrift 23 ist speziell für Wach- und Sicherungsdienste. Beide gelten nebeneinander. Ein Beispiel: Das Verbot berauschender Mittel steht in beiden. Die DGUV Vorschrift 1 verbietet, sich in einen Zustand zu versetzen, in dem man sich oder andere gefährdet. Die DGUV Vorschrift 23 geht weiter und verbietet Alkohol während der Dienstzeit vollständig. Für dich gilt die strengere Regel.

Ein Fall aus dem Dienst

Dein Arbeitgeber übernimmt den Empfangsdienst in einem Bürogebäude. Du sitzt dort allein am Tresen. Welche Pflichten aus der DGUV Vorschrift 1 greifen? Der Arbeitgeber muss die Gefährdungen beurteilen, zum Beispiel aggressive Besucher oder einen Brand. Er muss dich unterweisen, dir zeigen, wo Feuerlöscher und Verbandkasten sind, und klären, wer Ersthelfer ist. Er muss dafür sorgen, dass du im Notfall Hilfe rufen kannst. Du wiederum musst dich an die Unterweisung halten, Mängel melden, etwa einen defekten Notrufknopf, und den Verbandkasten nicht als Ablage für private Sachen benutzen.

Typische Prüfungsfallen

  • Die DGUV Vorschrift 1 gilt für alle Branchen, nicht nur für den Sicherheitsdienst.
  • Sie hat Pflichten für den Unternehmer und für die Versicherten. Die Versicherten stehen im dritten Kapitel, §§15 bis 18.
  • Die Unterweisung ist mindestens jährlich vorgeschrieben, nicht nur einmal bei der Einstellung.
  • Sicherheitsbeauftragte: Die Zahl 20 aus §20 DGUV Vorschrift 1 ist überholt. Seit 2026 gilt nach §22 SGB VII im Regelfall die Schwelle von 50 Beschäftigten, darunter ab mehr als 20 nur bei besonderer Gefährdung. Das Gesetz geht der Unfallverhütungsvorschrift vor.
  • BGV A1 ist die Vorgängervorschrift. Wer in alten Unterlagen BGV A1 liest, findet die Regeln heute in der DGUV Vorschrift 1.

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Frage 1 von 6 · 1 richtige Antwort

Wie heißt die DGUV Vorschrift 1?

Frage 2 von 6 · 2 richtige Antworten

Für wen gilt die DGUV Vorschrift 1?

Frage 3 von 6 · 1 richtige Antwort

In welchem Kapitel der DGUV Vorschrift 1 stehen die Pflichten der Versicherten?

Frage 4 von 6 · 1 richtige Antwort

Wie oft muss der Unternehmer die Versicherten nach der DGUV Vorschrift 1 mindestens unterweisen?

Frage 5 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche Aussagen zum Verhältnis von DGUV Vorschrift 1 und DGUV Vorschrift 23 sind richtig?

Frage 6 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche Aussagen zur Pflicht, Sicherheitsbeauftragte zu bestellen, sind nach dem Rechtsstand 2026 richtig?

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