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Grundzüge der Sicherheitstechnik

Funk und Kommunikationstechnik im Dienst

Im Einsatz hängt viel an zwei Sekunden Funkspruch. Welche Geräte im Sicherheitsdienst üblich sind, wie du richtig funkst und was du über Funk nie sagst.

Stand: 06.11.2026Von Oliver Misch

Kurz gesagt: Sicherheitsdienste nutzen Betriebsfunk mit eigener Frequenzzuteilung, lizenzfreie PMR446-Geräte oder Mobilfunk mit Push-to-talk. Der BOS-Funk von Polizei und Feuerwehr ist für sie tabu. Funksprüche sind kurz, klar und nach festen Regeln aufgebaut. Analoger Funk kann mitgehört werden, deshalb keine sensiblen Daten im Klartext.

Bei einer Großveranstaltung sind zwanzig Ordner auf einem Kanal, im Revierdienst hältst du nachts allein Kontakt zur Leitstelle, im Werkschutz koordinierst du dich mit der Pforte. Funk ist dabei das wichtigste Werkzeug. Gut gefunkt heißt: Jeder weiß sofort, wer wen ruft und was los ist. Schlecht gefunkt heißt: Durcheinander, verstümmelte Meldungen und im schlimmsten Fall ein Notruf, der im Geplapper untergeht. In der Prüfung werden Funkarten, Sprechregeln und die rechtlichen Grenzen abgefragt.

Welche Funksysteme es gibt

Betriebsfunk

Der klassische Funk im Sicherheitsdienst. Ein Unternehmen bekommt von der Bundesnetzagentur eine eigene Frequenz zugeteilt, gegen Gebühr. Die Geräte haben mehr Sendeleistung als Jedermannfunk und können über Relaisstationen große Gebiete abdecken. Moderne Anlagen sind digital, zum Beispiel nach dem DMR-Standard, und können verschlüsselt werden.

PMR446

Lizenzfreier Funk im Bereich um 446 Megahertz. Die Geräte dürfen höchstens 0,5 Watt Sendeleistung haben und arbeiten mit fest eingebauter Antenne. Es gibt 16 analoge Kanäle und zusätzlich digitale Varianten. Die Reichweite reicht in Gebäuden und auf Veranstaltungsgeländen oft aus, liegt in der Stadt aber meist nur bei einigen hundert Metern. Nachteil: Jeder darf diese Kanäle nutzen. Du kannst also auf einem Kanal landen, auf dem gleichzeitig ein Kindergarten oder eine Baustelle funkt, und jeder mit einem PMR-Gerät kann dich mithören.

Mobilfunk mit Push-to-talk

Funk über das Handynetz. Die Geräte sehen aus wie Funkgeräte, nutzen aber Mobilfunk. Vorteil: bundesweite Reichweite, Ortung, Notruftaste, Gruppen. Nachteil: Fällt das Netz aus oder ist es überlastet, etwa bei einem Großereignis, geht nichts mehr.

BOS-Funk

Der Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, also Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Ein normaler privater Sicherheitsdienst gehört nicht dazu und darf diese Netze nicht nutzen. Wer sich ohne Berechtigung einklinkt oder auf BOS-Frequenzen sendet, verstößt gegen das Telekommunikationsrecht.

Funkdisziplin und Sprechregeln

Die meisten Funkgeräte arbeiten im Wechselsprechen: Es kann immer nur einer sprechen, alle anderen hören. Wer die Sprechtaste drückt, blockiert den Kanal. Daraus ergeben sich die Regeln:

  • Erst denken, dann drücken, dann sprechen. Überleg dir die Meldung, bevor du die Taste drückst.
  • Kurz warten. Nach dem Drücken eine Sekunde warten, bevor du sprichst. Viele Geräte und Relais brauchen einen Moment, sonst fehlt der Anfang.
  • Erst die Gegenstelle, dann du. Zum Beispiel: Zentrale von Streife 2. So hört die Zentrale sofort, dass sie gemeint ist.
  • Kurz und sachlich. Keine Privatgespräche, keine Schimpfwörter, keine Diskussionen über Funk.
  • Deutlich sprechen, nicht schreien, Gerät etwas seitlich vor den Mund halten.
  • Bestätigen. Wichtige Aufträge wiederholst du kurz, damit klar ist, dass sie angekommen sind.
  • Notruf hat Vorrang. Wer einen Notruf hört, unterbricht sofort den eigenen Funkverkehr.

Namen, Kennzeichen oder schwierige Wörter buchstabierst du. In Deutschland gilt dafür die Buchstabiertafel nach DIN 5009, seit 2022 mit Städtenamen: A wie Aachen, B wie Berlin, C wie Chemnitz. Viele Dienste nutzen zusätzlich oder stattdessen das internationale Alphabet mit Alfa, Bravo, Charlie. Wichtig ist, dass im Team alle dasselbe benutzen. Zahlen sprichst du einzeln und sagst zwo statt zwei, damit es nicht mit drei verwechselt wird.

Was nicht über Funk gehört

Analoger Funk ist leicht abzuhören, auch wenn das Mithören fremder Funkgespräche verboten ist. Nach Paragraf 5 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes (TDDDG, früher TTDSG) dürfen mit einer Funkanlage nur Nachrichten abgehört werden, die für den Betreiber oder die Allgemeinheit bestimmt sind. Auch zufällig Mitgehörtes darf nicht weitergegeben werden. Für dich heißt das in beide Richtungen:

  • Keine vollständigen Namen, Adressen, Ausweisdaten oder Gesundheitsinformationen über unverschlüsselten Funk. Lieber über Telefon oder persönlich.
  • Keine Alarmcodes, Schlüsselstandorte oder Hinweise, welche Objekte gerade unbewacht sind.
  • Hörst du zufällig Polizeifunk oder fremde Gespräche, erzählst du sie nicht weiter.

Vor Dienstbeginn

Akku geladen, Ersatzakku dabei, richtiger Kanal eingestellt, Lautstärke passend, Notruftaste bekannt. Ein kurzer Funkcheck mit der Zentrale zeigt, ob die Verbindung steht. Beim Personen-Notsignal-Gerät testest du nach Vorgabe, ob der Alarm ankommt.

Ein Fall aus dem Dienst

Bei einem Stadtfest funken zwölf Ordner auf einem Betriebsfunkkanal. Ein Kollege meldet sich: Einsatzleitung von Posten Bühne Nord, kommen. Einsatzleitung hört. Am Bühnenaufgang Nord liegt eine Person am Boden, nicht ansprechbar, Sanitäter erforderlich. Die Einsatzleitung bestätigt und schickt den Sanitätsdienst. In diesem Moment spricht ein anderer Ordner über eine fehlende Pausenablösung dazwischen. Die Einsatzleitung unterbricht: An alle, Funkdisziplin, nur Einsatzverkehr. Der Kollege an der Bühne gibt keine Namen oder Personalien des Patienten über Funk durch. Das erledigt der Sanitätsdienst vor Ort.

Typische Prüfungsfallen

  • BOS-Funk ist Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben vorbehalten.
  • PMR446 ist lizenzfrei, aber für jeden offen und abhörbar.
  • Erst die gerufene Stelle nennen, dann sich selbst.
  • Nach dem Drücken der Sprechtaste kurz warten, dann sprechen.
  • Personenbezogene Daten nicht über unverschlüsselten Funk.
  • Notrufe haben immer Vorrang.

Wie die Leitstelle mit deinen Meldungen arbeitet, findest du unter Notruf- und Serviceleitstelle. Wie du Funk und Personen-Notsignal bei Alleinarbeit kombinierst, erklärt Alleinarbeit und Personen-Notsignal.

Teste dich: Übungsfragen zu diesem Thema

Wie in der IHK-Prüfung können eine oder zwei Antworten richtig sein. Kreuze an und prüfe dann.

Frage 1 von 6 · 2 richtige Antworten

Welche Funksysteme darf ein privater Sicherheitsdienst üblicherweise nutzen?

Frage 2 von 6 · 1 richtige Antwort

Wie beginnst du einen Funkspruch an die Zentrale richtig?

Frage 3 von 6 · 1 richtige Antwort

Warum solltest du nach dem Drücken der Sprechtaste kurz warten, bevor du sprichst?

Frage 4 von 6 · 2 richtige Antworten

Was gilt für lizenzfreie PMR446-Funkgeräte?

Frage 5 von 6 · 1 richtige Antwort

Du hast einen Ladendieb festgehalten. Wie gibst du seine Personalien an die Zentrale weiter, wenn ihr analogen Funk nutzt?

Frage 6 von 6 · 1 richtige Antwort

Über dein Funkgerät empfängst du zufällig ein Gespräch, das erkennbar nicht für dich bestimmt ist, etwa zwischen Mitarbeitern einer anderen Firma über deren Objekt. Was gilt?

Mehr Fragen aus diesem Sachgebiet gibt es in der Prüfungssimulation und gesammelt auf der Seite Prüfungsfragen Grundzüge der Sicherheitstechnik.

Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der aktuelle Gesetzestext.